Von 0 auf 100 Grad in 20 Sekunden

Der große Gasgrill-Test: Wer heizt hier so richtig ein?

Keine Asche, kaum Schmutz, kaum Wartezeit: Mit Gas grillt es sich einfach ohne Stress. Unsere Tester haben zehn Gasgrills ordentlich eingeheizt und verraten, welche Geräte Ihre nächste Grillparty zum Erfolg machen.

Datum:
Gasgrill Vergleichstest

Insgesamt landeten beim Grilltest 30 Nackensteaks, 60 Grillwürste sowie zwei Kilo Rinderfilet, ein knappes Kilo Putenbrust und eine Auswahl an Grillgemüse auf dem Rost.

Zwischen passionierten Grillern herrscht ein Glaubenskrieg: Gas oder Kohle? Die einen schwören auf das ursprüngliche Grill-Feeling mit Holzkohle, etwa auf einem Kugelgrill und hantieren begeistert mit Grillanzünder, Anzündkamin und Kohlesack. Gasgriller können über diesen Aufwand nur müde lächeln: Sie zünden einfach ihre Brenner, warten ein paar Minuten – und schon können die Steaks auf den heißen Rost. Vorteil, Gasgrill.

Sauberer und schneller als Kohle

Wer sich für einen Gasgrill entscheidet, legt Wert auf unkomplizierte Bedienung und kurze Vorbereitungszeit, bevor es ans eigentliche Grill-Vergnügen geht. Ein durchschnittlicher Gasgrill benötigt im Schnitt nicht länger als zehn Minuten, bis der Rost so aufgeheizt ist, dass die ersten Würstchen drauf dürfen. Und für eine tolle Grillparty gelingen auch kompliziertere Gerichte, weil sich mit individuell regulierbaren Gasbrennern die Hitze einfacher steuern lässt als mit traditionellen Holzkohlegrills. Ein weiterer Pluspunkt für Gasgrills: Herabtropfendes Fett aus dem Fleisch wirbelt keine Asche auf und verursacht keinen unangenehmen Kohlerauch. Dadurch entstehen weniger gesundheitsgefährdende Stoffe. Auch die Reinigung klappt einfach und schnell – einen mit viel Asche gefüllten Kohlegrill wieder sauber zu kriegen, ist dagegen richtig Arbeit.
Gasgrill Test

Vor dem Praxistest wurden alle Gasgrills genau vermessen.

Welchen Gasgrill kaufen?

Wer sich nun zum Kauf eines Gasgrills entschließt, hat aber die Qual der Wahl: Alle großen Grillhersteller bieten eine Vielzahl von Modellen unterschiedlichster Größe und Ausstattung an. Zudem gibt es zwar Gasgrills schon für unter 100 Euro – doch wer will, kann auch weit über 1.000 Euro ausgeben. Unsere Tester haben zehn Modelle aus verschiedenen Preisklassen in der Grillpraxis geprüft und sagen Ihnen, wie viel Geld Sie für einen guten Gasgrill wirklich ausgeben müssen.

Galerie: Gasgrill-Test: Die Kandidaten in der Übersicht

So einfach grillt man mit Gas

Grillen mit Gas funktioniert im Prinzip nicht anders als das Kochen an einem Gasherd: Aus der angeschlossenen Gasflasche strömt das Gas über einen oder mehrere Brenner in den Grillraum. Das eigentliche Feuermachen ist ein Kinderspiel, es klappt bei fast allen aktuellen Gasgrills einfach per Knopfdruck. Weil jeder Brenner seinen eigenen Drehregler hat, lässt sich die Temperatur am Rost perfekt einstellen und deutlich einfacher über längere Zeit konstant halten als beispielsweise am Kohlegrill.
Wie viel Grillgut ein Gasgrill bewältigt, hängt in erster Linie von der Anzahl der Brenner ab. Die günstigsten Gasgrills haben nur einen einzigen Brenner und eignen sich daher nur für einfache Grillgerichte. Indirektes Grillen, also das Grillen neben und nicht direkt über der Hitze, klappt damit in der Regel nicht. Mit zwei Brennern ist schon etwas mehr Finesse beim Grillen möglich, denn hier können Sie bereits zwei Temperaturzonen auf dem Grill einrichten. Richtig interessant wird es dann bei drei oder mehr Brennern: In verschiedenen Zonen schmoren Sie beispielsweise das Gemüse auf mittlerer Hitze, während Sie die Steaks scharf angrillen. Einige Grills haben zusätzlich einen Seitenbrenner abseits der Grillfläche. Der funktioniert im Prinzip wie eine mit Gas betriebene Kochplatte, sodass Sie während des Grillens ganz in Ruhe Beilagen oder Saucen zubereiten. Noch eine Stufe heißer wird es bei den Grills ab 1.000 Euro: Einige Modelle haben einen Hochtemperaturbrenner, der mittels Infrarot über 800 Grad heiß wird. Weber nennt dieses Extra beispielsweise „Sear Station“, obwohl es einfach ein Teil der verbauten Brenner ist.
Fleisch Grill

Ein kraftvolles Branding erfordert hohe Hitze. Dies konnte im Test aber nicht jeder Grill leisten.

Ordentlich Gas geben!

Die nötige Hitze erzeugt Ihr neuer Grill natürlich mit Gas. Im Handel bekommen Sie in den meisten Fällen Propangas; gelegentlich wird auch Butangas angeboten, allerdings eher in kleinen Kartuschen für mobile Grills oder in kleineren Gasflaschen. Im Gegensatz zu Propan hat Butangas den Nachteil, dass es bei Temperaturen unter 0 Grad nicht verdampft. Im Sommer ist das kein Problem; in der kalten Jahreszeit können Sie mit Butan aber nicht grillen. Zwar werden auch Propangasflaschen beim Grillen auffällig kalt; das Gas verdampft aber trotzdem problemlos.
In Deutschland wird Gas zum Grillen in Flaschen in Gewichtsklassen von 5 oder 11 Kilo verkauft. Die bekommen Sie im Baumarkt oder an Tankstellen, meist werden sie als Pfandflasche verkauft. Sie geben also eine leere Gasflasche ab und bekommen im Tausch eine volle. So eine Füllung kostet etwa 10 Euro für 5-Kilo-Flaschen beziehungsweise knapp 20 Euro für die 11-Kilo-Flasche. Die Flaschen selbst kosten etwa 30 Euro (5 Kilo) beziehungsweise 40 Euro (11 Kilo). Die meisten Gasgriller werden aber zu den kleineren Flaschen greifen – für die 11-Kilo-Flaschen sind jedenfalls die Unterschränke sämtlicher Testkandidaten zu klein.
Eine Sonderform ist das sogenannte BBQ-Gas, das beispielsweise unter www.bbq-gas.eu erhältlich ist. Hierbei handelt es sich ebenfalls um Propangas, das aber in weniger hohen, dafür aber dickeren 8-Kilo-Flaschen geliefert wird. Praktisch, aber teurer.
Enders Wärmebild

Mit einer Wärmebildkamera ermittelten die Tester die Maximaltemperaturen.

Vor dem Grillen: Einbrennen

Egal für welchen Gasgrill Sie sich am Ende entscheiden – vor dem ersten Grillen sollten Sie noch genug Zeit für eine Menge Bastelarbeit einplanen. Die wenigsten Gasgrills werden vormontiert und „grillfertig“ geliefert, bei den meisten Modellen müssen Sie Grillwagen, Seitenbrenner, Grillfläche und Zusatzelemente noch zusammenbauen – was je nach Größe und Zahl der Teile einen ziemlich hohen Aufwand bedeutet. Wenn Sie an einer richtig großen Grillstation arbeiten wollen, sollten Sie zudem einen Helfer rekrutieren, denn im Alleingang ist der Aufbau kaum zu schaffen.
Ist dann alles aufgebaut und angeschlossen, sollten Sie sich noch die paar Minuten Zeit nehmen und Ihren neuen Grill einbrennen. Dieses Vorgehen ist zwar leider nicht in allen Grillanleitungen beschrieben, aber besonders dann sinnvoll, wenn der Grillrost und andere Bestandteile des Grills aus Gusseisen bestehen. Diese Teile sollten Sie vor dem ersten Grillen mit einem hitzebeständigen Öl (etwa Erdnuss- oder Sonnenblumenöl) einpinseln und den Grill dann bei geschlossenem Deckel einmal mit voll aufgedrehten Brennern auf Höchsttemperatur bringen. Auf diese Weise entfernen Sie eventuell vorhandene Produktionsrückstände. Außerdem bildet sich auf den gusseisernen Teilen dabei eine Patina, die eine Schutzschicht für den Grill entwickelt und erschwert, dass Ihr Grillgut später am Rost kleben bleibt. Lassen Sie den Grill dann auskühlen, und wiederholen Sie den Vorgang.

Zündung

Noch ein Sicherheitstipp: Lüften Sie immer den Deckel, und öffnen Sie den Grillraum, bevor Sie den Grill zünden. Bei geschlossenem Grill kann sich sonst im Grillraum ein gefährliches Gas-Luftgemisch bilden, das bei der Zündung dann verpufft.
Gasgrill Test putzen

Der Char-Broil kommt mit einem speziellen Reinigungswerkzeug für die beigelegte zusätzliche Wärmeplatte.

Nach dem Grillen: Putzen

Die Reinigung eines Holzkohlegrills kann eine wirklich schmutzige Angelegenheit werden: Erst muss der Grill auskühlen, dann muss die alte Kohle und die Asche entsorgt werden. Gasgriller haben es da etwas leichter: Wie beim Einbrennen fahren Sie einfach nach dem Grillen einmal für ein paar Minuten alle Brenner auf maximale Hitze. Eventuelle Rückstände auf dem Grillrost verbrennen dabei. Anschließend putzen Sie den restlichen Dreck ganz einfach mit einer Drahtbürste oder einem anderen Reinigungswerkzeug weg. Das schaffen Sie sogar locker während der Grillparty.
Noch ein weiterer Tipp zur Sicherheit: Bevor Sie zum Schluss den Grill ausmachen, sollten Sie vorher unbedingt erst die Gasflasche zudrehen. Erst danach schließen Sie die Brenner. So kann das noch eventuell in den Leitungen verbliebene Gas verbrennen, und der Grill ist anschließend praktisch gasfrei.

Vorsicht bei Importware

Haben Sie sich für einen Gasgrill entschieden und ein wenig die Preise verglichen, fällt Ihnen vielleicht auf, dass Ihr Wunschmodell in den USA oder auch in anderen europäischen Ländern etwas preiswerter ist. Man könnte nun also auf die Idee kommen, den Grill einfach bei einem amerikanischen, holländischen oder dänischen Händler zu bestellen und zu importieren. Das ist allerdings keine gute Idee: Selbst, wenn Sie die lästigen Zollformalitäten erledigt haben und der importierte Grill schließlich in Ihrem Garten steht, haben Sie sehr wahrscheinlich ein technisches Problem: Amerikanische Geräte haben beispielsweise andere Gewinde für die Gasflasche als die in Deutschland.
Auch beim Gasdruck gibt es landesspezifische Unterschiede: So arbeiten Grills in Deutschland und Österreich mit einem Gasdruck von 50 Millibar. Grills aus anderen Ländern brauchen dagegen nur 30 Millibar – Sie benötigen also zumindest einen anderen Druckminderer, den Sie auch noch an den Grill anschließen müssten. Abgesehen davon, dass solche Basteleien eher lästig sind, erlischt bei derartigen Eingriffen auch der Garantieanspruch auf das Gerät.

Fazit: Gasgrills im Test

Ein Gasgrill ist nichts anderes als eine heiße Platte, auf der man Fleisch gart? Dann müsste es ja egal sein, ob diese Platte dann 200, 600 oder über 1.000 Euro kostet. Beim großen Gasgrill-Vergleich kam aber ganz was anderes heraus: Es macht sehr wohl einen Unterschied – und zwar nicht nur beim Komfort, sondern auch geschmacklich, wie die Testesser feststellten.
Aber wie tief müssen Sie denn nun tatsächlich für einen guten Gasgrill in die Tasche greifen? Der Test zeigt: Mit den sehr günstigen Gasgrills dürften Sie nicht viel Freude (und auch keine schmackhaften Steaks) haben. Wer richtig viel Geld ausgeben kann, bekommt mit dem Weber Genesis II ein absolutes Topmodell, bei dem Leistung, Extras und Bedienkomfort kaum Wünsche offenlassen. Ausstattung und Verarbeitung sind bei diesem Grill einfach top; allerdings dürfte bei vielen Hobby-Grillern neben dem Preis auch die schiere Größe gegen den Genesis II sprechen.
Glücklicherweise gibt es aber günstige und kleinere Alternativen für alle, die weniger ausgeben wollen: So sorgte beispielsweise der Performance T-22G des amerikanischen Herstellers Char-Broil für 379 Euro für eine ausgesprochen positive Überraschung. Er glänzte mit dem besten Grillerlebnis im Test, guten Geschmacksnoten und fuhr so verdient den Preis-Leistungs-Sieg ein. Dieser Grill braucht zwar durch die zusätzliche Wärmeleitplatte etwas länger, um auf Touren zu kommen, macht dann aber richtig Spaß.
Auch die Mittelklasse-Modelle von Landmann, Weber und Rösle schlugen sich respektabel im Test – richtig günstig sind aber auch diese Grills nicht. Deshalb gilt: Wer auf Holzkohle verzichten will, sollte bei der Anschaffung eines Gasgrills lieber direkt etwas mehr investieren. Aber das zahlt sich langfristig aus: Bei guter Pflege freuen sich dann Familie und Freunde jahrelang über die kulinarischen Meisterwerke aus Ihrem Grill.

Galerie: Gasgrills von A bis Z

Gasgrills