Wege zum und aus dem Nachbarschaftsstreit

Das hilft bei Streit mit den Nachbarn

Die Beziehung zum Nachbarn ist oft ambivalent. Eigentlich will man ja ein gutes Verhältnis, doch manchmal treiben sie einen zur Weißglut. eGarden zeigt, was Sie bei und vor einem Nachbarschaftsstreit bedenken sollten.

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Was hilft bei Streit mit den Nachbarn?

Oftmals endet die Nachbarschaft im Streit. Wir geben Tipps, wie Sie damit umgehen.

Schon Wilhelm Tell wusste, dass mit den Nachbarn nicht gut Kirschenessen ist. Nun ist ein Volksaufstand, wie im Falle Tells, bei einem Nachbarschaftsstreit wohl nicht zu erwarten. Trotzdem ist sein Ausspruch "Es kann der Frömmste nicht im Frieden bleiben, wenn es dem lieben Nachbarn nicht gefällt" mittlerweile zu einer Art Volksweisheit geworden. Doch was kann man tun, wenn man Streit mit den Nachbarn hat und beide Seiten auf ihr Recht pochen? eGarden wirft einen Blick auf die häufigsten Streitthemen und gibt Tipps, wie Sie einen Nachbarschaftsstreit auch ohne Richter beilegen.

Die häufigsten Streitthemen

Fast 90 Prozent der Deutschen geben an, dass ein friedliches Leben im Eigenheim nur mit einem guten Verhältnis mit den Nachbarn möglich ist. Umso verwunderlicher ist es, dass fast 50 Prozent von ihnen trotzdem regelmäßig in Streit mit den Nachbarn geraten. Woher kommt das? Der häufigste Grund für einen Streit ist Lärm. Zu laute Musik, kreischende Kinder oder Rasenmähen bringen die Gemüter zum Kochen. Aber auch der Baum des Nachbarn, der auf das eigene Grundstück ragt oder ständiges Grillen sind häufige Gründe für einen Streit.
Bevor Sie die Polizei holen oder wutentbrannt zum Nachbarn stampfen, sollten Sie sich zwei Dinge fragen: 1. Kommt diese Störung wirklich so oft vor, dass es sich deswegen lohnt, einen Streit vom Zaun zu brechen. 2. Welche rechtliche Handhabe besitze ich im Ernstfall. Erst wenn beide Punkt geklärt sind, sollten Sie wirklich zur Tat schreiten. Natürlich ist es ärgerlich, wenn der Nachbar genau an dem Tag grillt, an dem Sie ihre Schwiegermutter zum Kaffee eingeladen haben. Doch ist das wirklich ein Grund, einen Streit zu beginnen, der vielleicht Jahre anhält?

Galerie: Zehn häufige Streitthemen unter Nachbarn

Das hilft bei Streit mit den Nachbarn?

Spielende Kinder können laut sein. Laut verschiedenen Gerichten dürfen sie das aber auch.

So vermeiden Sie einen Anwalt

Ein Anwalt sollte das letzte Mittel sein. Seien Sie sich im Klaren, dass eine gerichtliche Auseinandersetzung beide Parteien schwer belastet. In dieser Zeit wird sich das Verhältnis bestimmt nicht bessern. Und meist zieht sich ein Verfahren über Jahre. Wollen Sie wirklich jahrelang neben einem Menschen wohnen, der Sie nur noch als Gegner vor Gericht sieht? Kommen Sie Ihrem Nachbarn lieber in gewissen Punkten entgegen. Statistiken haben gezeigt, dass Nachbarn, welche sich außergerichtlich einigen, oftmals danach ein viel besseres Verhältnis haben. Und sollten Sie bereit sein, auf den Nachbarn zuzugehen, ist dieser meist auch zu Kompromissen bereit.

Wie würden Sie reagieren?

Auch bei Kinderlärm sollten Sie sich fragen, ob dies nicht der normale Geräuschpegel von Kindern ist. Natürlich sind Kinder etwas lauter, doch ist dies eine ganz natürliche Sache. Rufen Sie in solchen Fällen gleich die Polizei oder drohen damit, fühlen sich Eltern angegriffen. Möchten Sie etwas mehr Ruhe haben, gehen Sie verständnisvoll auf die Eltern zu. Oft sind die selbst genervt vom Gezeter der Kleinen. Wenn Sie die geliebten Kleinen angehen, gehen Eltern in den Angriffsmodus. Überlegen Sie, wie Sie reagieren würden, wenn jemand so auf Sie zukäme. Und fragen Sie sich, wie Sie gerne auf Probleme angesprochen werden würden.

Schlichten oder klagen?

Sollten Sie mit einem Dialog nicht weiterkommen, holen Sie sich zunächst einen neutralen Mediator. Meist hat eine dritte Partei einen neutralen Blick und kann zwischen den Streitenden vermitteln. Hier zeigt sich schnell, ob der Nachbar wirklich zu oft zu laut ist oder Sie vielleicht nur etwas überempfindlich. Sollte allerdings auch ein Mediator nichts bringen, hilft der Gang zum Anwalt. Unser Artikel über Ihr Recht als Hausbesitzer gibt Ihnen einen näheren Einblick.

Nacht. Ruhe!

Bei Lärm, Grillgeruch oder Kindergeschrei gibt es keine Grundsatzentscheidungen. Prinzipiell gilt in Deutschland die Ruhezeit zwischen acht Uhr abends und sieben Uhr morgens. Das bedeutet, dass in dieser Zeit der Lärm auf ein Minimum reduziert werden sollte. Nach zehn Uhr abends gilt sogar die Nachtruhe. Sollte Ihr Nachbar regelmäßig gegen diese Zeiten verstoßen, haben Sie gute Chancen auf einen Erfolg. An Sonn- und Feiertagen gelten diese Regeln ganztägig. Außerhalb der Zeiten wird es allerdings schwer.
Das hilft bei Streit mit den Nachbarn?

Musik kann zu einer echten Nervenprobe werden. Allerdings haben Sie kaum Aussicht auf Erfolg vor Gericht, sollte sich die Geräuschkulisse zwischen sieben Uhr morgens und acht Uhr abends abspielen.

Kindergeschrei und Grillrauch

Auch gegen Kindergeschrei haben Sie kaum Aussichten auf Erfolg. Es liegt in der Natur von Kindern, etwas lauter zu sein. Das haben schon mehrere Gerichte in Deutschland entschieden. Allerdings können Sie auch bei lauten Kindern auf Ihre Nachtruhe pochen. Grillen ist eine ganz eigene Sache. Hier wird tatsächlich von Fall zu Fall entschieden. Sollte ihr Nachbar alle zwei Wochen grillen, ist dagegen nichts einzuwenden. Bei täglichem Grillen ist entscheidend, wie sehr Sie davon belästigt werden. Zieht der Rauch beispielsweise immer auf Ihr Grundstück, besteht auch hier die Chance auf einen gerichtlichen Erfolg.
Alexander Scherb

von

Mit Schrebergarten aufgewachsen, wurde mir die Natur in die Wiege gelegt. Von Ahorn bis Zypressen gilt mein Interesse allem was blüht.

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