Wasser marsch? Von wegen!

Geld sparen, Brunnen selbst bohren? Ein gescheiterter Versuch

Wasser ist teuer – vor allem in Deutschland. Wer dann noch einen Garten in Schuss halten muss, zahlt doppelt und dreifach. Die Lösung ist ein eigener Brunnen. Nils Matthiesen wollte Geld sparen und lieh sich einen Bohrer. Die Rechnung ging nicht auf.

Datum:
Brunnen bohren

Nils Matthiesen hat sich einen großen Bohrer geliehen und kam trotzdem nicht bis zum Wasser.

Die Entscheidung für einen Brunnen war schon lange gereift, die Frage war nur wann und wie? Da zeigt mir ein Kumpel eine interessante Anzeige: Brunnenbohrgerät, 4,5 PS bis 10 Meter Bohrtiefe, 150 Euro pro Tag. Hört sich spannend an. Die naive Kalkulation: 4 bis 5 Stunden pro Loch sollten reichen, so könnten wir im Idealfall sogar zwei an einem Tag schaffen. Das würde ungefähr 800 Euro im Vergleich zur Beauftragung eines professionellen Brunnenbohrers sparen. Ein fataler Irrtum, wie sich später herausstellen sollte.

Mit Forenwissen frisch ans Werk

Ganz unbedarft sind wir nicht an die Sache herangegangen. In Foren und Fachartikeln machen wir uns vorab schlau, auf was man alles achten muss. Etwa dass man sich abhängig vom Wohnort eine Genehmigung einholen muss. An dieser Stelle ist das nicht der Fall. Mit der Gewissheit, auch sonst an alles gedacht zu haben, machen wir uns frohgemut ans Werk. Das Brunnenbohrgerät aus dem Baumarkt entpuppt sich „live“ als ganz schöner Klopper. Die zehn dazugehörigen Bohrer mit einem Meter Länge und 20 Zentimeter Durchmesser lassen überdies einen Hauch von Armageddon aufkommen – ganz schön wuchtig die Teile. Egal, ab auf den Hänger damit, nach Hause gebrettert und abgeladen. Dann gilt es eine geeignete Stelle zu finden: Hier dürfen sich keine Kabel, Schächte oder ähnliches befinden. Anschließend ein Loch vorbuddeln, Bohrgerät möglichst gerade ausrichten und los geht’s.

Galerie: Brunnen selbst bohren: Ein gescheiterter Versuch

Erfolgreicher Start …

Die ersten Meter sind alsbald geschafft. Schnell stellt sich schnell eine Art Routine ein: Zunächst den Motor in die oberste Position bewegen, Bohrkopf montieren und das Ganze mit einem Splint sichern. Bohrkopf senken und den Bohrer die Arbeit übernehmen lassen. Währenddessen den Bohrer immer wieder von festsitzendem Schmutz befreien, ansonsten wird er zu schwer. Dann so lange bohren, bis der Bohrkopf nahezu komplett im Boden verschwunden ist. Dann gilt es den Bohrkopf zu sichern und mit einem weiteren Bohrer zu verlängern. Dann geht’s wieder von vorne los. Auf diese Weise erreichen wir gefühlt recht flott 4 bis 5 Meter – tatsächlich sind aber bereits knapp drei Stunden vergangen. Dann ein Knall.

… harte Landung

Die Motoraufhängung ist gebrochen. Und das ausgerechnet in dem Moment, als fünf Bohrer komplett in der Erde stecken. Prompt erinnern wir uns an die goldene Regel, die uns der Verleiher mehrfach mit auf dem Weg gab: „Die Bohrer niemals lange in der Erde lassen, die kriegst du nie wieder raus. Und das wird teuer“. Klar, schließlich ist das Bohrloch unbefestigt. Löst sich zu viel Material aus der Wand, werden die Bohrer zu schwer. Panik. Letztlich bleibt nichts Anderes übrig, als die Bohrer mit drei Mann per Hand aus dem Loch zu zerren. Erwähnte ich, dass ich schon einmal einen Bandscheibenvorfall hatte? Das Brunnenbohrgerät ist auf jeden Fall nicht mehr zu gebrauchen. Und an dieser Stelle hätte es schon mindestens neun Meter runtergehen müssen, um ans Grundwasser zu gelangen. Also alles wieder aufladen und zurück damit zum Verleiher. Der braucht eine Woche, um das Teil zu reparieren.

Der zweite Versuch

Also sieben Tage später noch einmal von vorne. Die nächsten paar Meter kommen wir wieder gut voran, dann verabschiedet sich der Motor – Benzin alle. Wahnsinn, wie viel der schluckt. Wieder geistert die goldene Regel durch unsere Köpfe „…maximal 10 Minuten…“. Glücklicher Weise ist eine Tankstelle direkt um die Ecke. Merke: Immer einen Benzinkanister parat haben, um den Motor schnell mit Sprit versorgen zu können. Trotz vollem Tank geht es dann nicht mehr richtig weiter. Wir sind auf eine Kiesschicht gestoßen, die offenbar immer wieder zusammenfällt. Dazu kommt: Die 4,5 Pferdchen im Motor machen langsam schlapp. Immer wieder gerät der Bohrer ins Stocken, das „Hochfahren“ desselben ist kaum noch möglich. Nach einigen Stunden des verzweifelten Ausprobierens müssen wir uns eingestehen: So geht’s nicht weiter, wir sind mit unserem Latein am Ende.

Ein Profi muss ran

Also doch einen Profi hinzuziehen. Das kann ja nicht mehr so teuer sein, so die Überlegung, das Loch ist schließlich bereits recht tief. Eine weitere Fehleinschätzung, wie sich im weiteren Verlauf des Projekts zeigt. Denn die eigentliche Knochenarbeit besteht nicht im Bohren, sondern im „Verrohren“ und „Plunschen“. Da unterhalb des Wasserspiegels das Bohrloch immer wieder zusammenfällt, egal wie oft man nachbohrt, muss zunächst ein Rohr versenkt werden. Für die Konstruktion desselben hat jeder Brunnenbauer seine speziellen Tricks. In der Regel kommt Kanalgrundrohr (KG-Rohr) zum Einsatz, das zunächst zusammen getackert und am unteren Ende perforiert werden muss.

Galerie: Profi-Tipps für richtiges Wässern

Plunsch-Plackerei

Dann geht es ans Plunschen. Was sich vergnüglich anhört, ist knallharte Plackerei. Im Prinzip geht es darum, dass Brunnenrohr möglichst tief in den Boden zu rammen. Da am Anfang der Wasserstand im Brunnen noch gering ist, wird das Bohrloch zusätzlich mit Wasser geflutet. Nun lässt der Profi eine Kiespumpe an einem stabilen Seil ins Bohrloch herab und bewegt ruckartig die Plunsche auf und ab. Wenn sie auf den Grund herabfällt, füllt sie sich mit Sand und Kies. Zieht er sie dann mit Schwung wieder empor, verschließt ein Klappdeckel durch Unterdruck (daher das zusätzliche Wasser) den Boden. Der Brunnenbauer muss nun das schwere Teil gute 10 Meter nach oben hieven und ausleeren. Zeitnah gilt es dann das Rohr mit leichten Hammerschlägen nach unten zu treiben. Diese Strapaze dauert mehrere Stunden. Mir treibt allein das Zuschauen den Schweiß auf die Stirn. Stehen im Bohrloch schließlich zwei bis drei Meter Wasser, ist der Brunnen fertig.

Pump it up

Fehlt noch die Pumpe. Vollkommen unabhängig voneinander empfehlen uns drei Brunnenbauer ein Modell von Gardena. Es gibt allerdings deutlich günstigere Lösungen. Die Inbetriebnahme ist diesmal tatsächlich auch ohne Profikenntnisse zu schaffen. Wasser marsch!

Fazit

Es kann sein, dass wir eine schwierige Stelle erwischt und manch geschickter Heimwerker einen Brunnen in Eigenregie hinbekommt. Wenn Sie mich heute fragen: Wollen Sie günstiges Wasser, wenden Sie sich direkt an einen Profi. Brunnen bauen ist kein Kinderspiel und kostet ohne Fachkenntnisse reichlich Zeit, Nerven und Kraft – wenn es denn überhaupt klappt.

Gartenwerkzeug

Nils Matthiesen

von

Seit rund 20 Jahren begeistert sich der Düsseldorfer für moderne Technik aller Art. Seine Erfahrungen teilt er in diversen Fachzeitschriften und Online-Medien.

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