Superfood selbst ziehen

Avocado pflanzen im eigenen Garten: Geht das?

Kaum eine andere Frucht ist zurzeit so angesagt wie die Avocado. Sie ist super gesund und schmeckt lecker. Nur: Sie ist auch teuer und hat eine schlechte Ökobilanz. Warum also nicht selbst daheim Avocado züchten? Wir sagen, wie es klappt!

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Avocados im eigenen Garten züchten: Geht das?

Kann man im heimischen Garten eigene Avocados züchten? Unser Ratgeber verrät es.

So gesund und lecker die Avocado auch sein mag, ihre Ökobilanz fällt vernichtend aus. Dadurch, dass sie zunehmend beliebter, aber gleichzeitig relativ teuer ist, steigen immer mehr Plantagenbesitzer (vor allem in Mexiko) auf den Anbau der Frucht um – mit verheerenden Auswirkungen. Dabei geht es nicht nur um das Abholzen von wertvollen Wäldern zum Bau von Avocadoplantagen, sondern auch um den enormen Wasserverbrauch der Pflanzen: Ein Baum braucht pro Tag satte 50 Liter Wasser – Wasser, das die Bevölkerung gerade in den ärmeren Regionen Mexikos und Südamerikas dringend benötigt. Auch der Transport vom Ursprungsland zu unseren lokalen Supermärkten ist alles andere als umweltbewusst. Wie viel besser wäre es da, Avocados einfach selbst anzubauen ... Hm, warum eigentlich nicht?

Avocados daheim züchten: So geht’s!

Eine Avocado in der eigenen Wohnung zu züchten, ist gar nicht so schwer. Es braucht eigentlich nur Geduld. Im Garten lässt sich die Avocado übrigens nicht anbauen – dafür ist es in Deutschland einfach zu kalt. Der Avocadobaum ist eine tropische bzw. subtropische Pflanze. Sie benötigt ganzjährig Temperaturen von mindestens 20 Grad und sehr viel Sonne. Im Garten geht es also nicht, aber in den eigenen vier Wänden durchaus! Der Guacamole aus Eigenproduktion steht dann nichts mehr im Wege. Übrigens: Wenn Sie den Kern nicht einpflanzen wollen – hier erfahren Sie, warum man Avocadokerne nicht wegwerfen sollte!

Variante 1: Avocado in der Wohnung ziehen

In den eigenen vier Wänden oder in einem Gewächshaus ist das Anzüchten kein Problem. Und so funktioniert es:
  • Lösen Sie das Fruchtfleisch vom Kern und waschen Sie ihn gründlich ab. Das verhindert Schimmel durch Fruchtreste.  
  • Entfernen Sie die braune Schale um den Kern. Dafür braucht es etwas Fingerspitzengefühl: Ritzen Sie die Schale vorsichtig an und achten Sie darauf, so wenig wie möglich in den darunterliegenden Kern zu schneiden. Wichtig: Der Kern besitzt in der Mitte eine Rille, die ihn quasi in zwei Teile teilt. Hieraus sprießt der erste Trieb. Achten Sie darauf diese Rille nicht zu beschädigen. Ziehen Sie die Schale vorsichtig ab.Füllen Sie einen Blumentopf mit Anzuchterde. (Wie Sie den wertvollen Dünger selbst machen, verrät unser Ratgeber.)
  • Versenken Sie den Kern zu ungefähr einem Drittel in der Erde, sodass die spitze Seite aus der Erde herausschaut. Drücken Sie die Erde leicht an den Kern.
  • Wässern Sie den Kern in seinem Topf gleichmäßig – am besten nutzen Sie dafür die Dusche. Lassen Sie einfach so lange Wasser in den Blumentopf rieseln, bis es unten wieder hinausläuft.Halten Sie die Erde in den nächsten Wochen durchgehend feucht.

Galerie: Avocadobaum pflanzen: So einfach geht's!

Variante 2: Avocado im Wasserglas ziehen

Sie haben auch die Option, den Avocadobaum in einem Wasserglas anzuzüchten. Die Schritte ähneln den vorherigen:
  • Entfernen Sie das Fruchtfleisch vom Kern und waschen Sie ihn gründlich ab.
  • Schälen Sie die braune Schale vom Kern ab.
  • Nehmen Sie vier Zahnstocher und stechen Sie diese vorsichtig in den Kern. Nicht in die Rille des Kerns stechen!
  • Legen Sie den präparierten Kern auf ein Glas. Auch hier zeigt die runde Seite nach unten, die Spitze nach oben.
  • Füllen Sie das Glas so hoch mit Wasser, bis der Kern zur Hälfte darin hängt.
  • Nach einiger Zeit bildet sich eine dicke Wurzel. Wenn diese stark genug ausgebildet ist, topfen Sie den Kern ein, wie oben beschrieben.
  • Achten Sie beim Einpflanzen darauf, die Wurzel nicht zu knicken oder sonst wie zu beschädigen.

Langsame Anzucht, dafür schnelles Wachstum

Das Wichtigste bei der Avocadozucht ist Zeit. Seien Sie nicht ungeduldig, falls in den ersten Wochen nichts geschieht. Ein Keimling braucht mindestens sechs bis acht Wochen, bevor ein Trieb zu erkennen ist. Verzagen Sie also nicht, sondern bewässern Sie den Kern immer fleißig. Dabei ist entscheidend, dass Sie für einen Abfluss des Wassers sorgen, denn Staunässe macht dem Zuchtversuch den Garaus, noch bevor er begonnen hat. Ein Hilfsmittel bieten hier Pflanzensensoren: Sie sagen Ihnen, wann Ihre Pflanzen Wasser oder auch Dünger benötigen. Ist allerdings der erste Trieb da, geht es ratzfatz und der Avocadobaum erreicht schon bald eine stattliche Größe. Jetzt braucht er viel Licht, allerdings keine pralle Sonne – denn ist der Anzuchtplatz zu dunkel, produziert die Pflanze einen blattlosen Stiel, dafür aber eine blattreiche Krone. Um eine schöne Verästelung zu bekommen, sollten Sie den Stiel auf zirka 15 Zentimeter kürzen. Achten Sie dabei darauf, dass der Rest noch über einige „Ast-Augen“ verfügt.
Avocado pflanzen: Geht das?

Für einen Avocadobaum brauchen Sie Blumentöpfe mit Ablauf. Staunässe mag die Pflanze gar nicht.

Am Ende Enttäuschung: Schöne Pflanze, keine Frucht

Schlussendlich fällt allerdings ein ernüchterndes Fazit. Es gibt gleich mehrere Gründe, warum ein selbst gezüchteter Avocadobaum keine Früchte trägt. Der wichtigste zuerst: Es dauert schlicht zu lange. Ähnlich wie Olivenbäume braucht ein Avocadobaum zirka zehn Jahre, um die ersten Früchte zu tragen. (Wie schön sich der Olivenbaum im Garten dann allerdings am Ende macht, zeigt unsere Bildergalerie.) Das ist nicht der einzige Grund, warum mit keiner Frucht zu rechnen ist: Der Avocadobaum trägt nur Früchte, wenn bestimmte andere Baumarten zur Befruchtung neben ihm stehen. Und schließlich, drittens, benötigt die Avocado über lange Zeit warme Temperaturen – das bietet unser mitteleuropäischer Sommer nicht. Allerdings gibt die Pflanze einen dekorativen Zimmerschmuck ab. Und das ist doch auch etwas wert, oder?

Avocado-Anzuchttopf

Alexander Scherb

von

Mit Schrebergarten aufgewachsen, wurde mir die Natur in die Wiege gelegt. Von Ahorn bis Zypressen gilt mein Interesse allem was blüht.