Rettet die Biene

Das Bienensterben: Was ist dran?

Seit mittlerweile zwei Jahrzehnten klagen Imker über ein Bienensterben ungeahnten Ausmaßes. Die Folgen für die Natur und Landwirtschaft seien katastrophal. Was ist an diesem Endzeitszenario dran?

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Sterben die Bienen wirklich?

Sind unsere Honigbienen in Gefahr?

Ohne Zweifel sind Bienen für die Natur ein wichtiger Teil des Ökokreislaufs. Würden sie aussterben, wäre unser Honigbrötchen am Morgen sicherlich das kleinste Problem. Bienen haben eine sehr wichtige Aufgabe und der Aufschrei, sie würden aussterben, ist erschütternd. Doch ist der Aufschrei berechtigt? Müssen wir uns wirklich Sorgen machen?
Betrachten wir dazu die nackten Zahlen. Laut Greenpeace sei die jährliche Bestäubungsleistung rund um den Globus 265 Milliarden Dollar wert. In Deutschland liegt der Honigverbrauch pro Kopf bei 1,1 kg im Jahr. Wobei die rund 800.000 Bienenvölker von 115.000 Imkern in Deutschland für 20 % unseres Honigbedarfs aufkommen. 109.000 Freizeitimkern stehen 500 Berufsimkern gegenüber.

Wildbienen vs. Honigbienen

Die Imker berichten seit Jahren und Jahrzehnten von erhöhten Sterberaten ihrer Völker. Dazu muss man verstehen, dass die wenigsten Bienenarten in Völkern leben. Die meisten frei lebenden Bienen – Wildbienen genannt – sind nicht in Völkern organisiert! Es gibt zwar Imker, die Honig von Wildbienen einsammeln, doch handelt es sich dabei eben nicht um die Art Biene, die uns so geläufig ist. Insofern wissen wir über den Bestand der Wildbienen im Vergleich zu den Bienenvölkern relativ wenig. Die meisten Imker arbeiten mit Honigbienen, die aus Zuchtrassen stammen. Es gibt weltweit kein einheitliches Bild über das Bienensterben. Während in manchen Erdteilen die Anzahl der Bienen stark zunimmt, nimmt sie in anderen ab. Die Ursachen sind teils einfach zu erklären wie beispielsweise, dass weniger Imker mit weniger Bienen gleichzusetzen sind. Bei anderen Ursachen streiten sich die Experten über die uneinheitlichen Verlaufsursachen.
Imker

Imker berichten von erhöhten Sterberaten ihrer Völker.

Deutschland: Wie haben sich die Zahlen der Bienenvölker entwickelt?

1991 gab es knapp über 97.000 Imker mit rund einer Millionen Bienenvölkern, die im Deutschen Imkerbund eingetragen waren. 15 Jahre später waren es nur noch 75.000 Imker und 680.000 Bienenvölker. Mittlerweile hat das Interesse an der Imkerei wieder zugenommen, so dass es aktuell 108.000 organisierte Imker mit 746.000 Bienenvölkern gibt. Wir sehen bereits an dieser Entwicklung, dass man aus der einstmals abnehmenden Gesamtzahl der Bienenvölker nicht unbedingt auf eine Art von Bienensterben schließen kann. Selbstverständlich hängt es vom einzelnen Imker ab, wie erfahren er ist und wie viele Völker er hält.

Viren- und Milbenbefall

Nachdem im Winter 2002/03 über Sterberaten von bis zu 30 % berichtet wurde (üblich sind Raten von ca. 10 %), startete man mit dem sogenannten „Bienenmonitoring“, organisiert vom Ministerium für Landwirtschaft und Ernährung. Etwas über 100 Imker und deren Bienenvölker werden seitdem in einer Langzeitstudie beobachtet. Die Sterberaten schwankten zwischen 5 % und 15 % Abhängigkeit von Region und Imker. Langfristig bewegen sich die Sterberaten zwischen 10 % und 13 %. Von den dramatischen Katastrophenraten sind wir in Deutschland demnach weit entfernt.
Vielleicht auch kein Zufall, denn natürlich leidet ein Imker, wenn seine Bienen eines unnatürlichen Todes sterben. Ob sich diese Meldungen in der Gruppe der Imker selbst verstärken? Durchaus denkbar unter psychologischen Gesichtspunkten.
Eines der ersten, markantesten Untersuchungsergebnisse war der Zusammenhang der Sterberate zu diversen Krankheiten (Varroamilbenbefall, Flügeldeformationsvirus, Bienenparalysevirus). Dies gilt bis heute als eine der wesentlichen Ursachen für eine erhöhte Sterbrate der Bienenvölker. Inzwischen werden Imker gezielt geschult, gegen die Krankheiten vorzugehen und die Erfolge lassen nicht lange auf sich warten. Zeitgleich bleibt der Vorwurf im Raum stehen, dass Imker ihre Bienen überzüchtet haben (ähnlich wie Hochleistungsmilchkühe), die damit anfälliger für Krankheitsbefall wurden. Es wäre eine übliche Folge genetischer Degeneration.

Landwirtschaftliche Mononutzung

Als gesichert gilt der Zusammenhang mit der Mononutzunug in der Landwirtschaft. Das zunehmende Fehlen natürlicher Feldwiesen verringert die Überlebenschancen der Honig- und Wildbienen. Sobald die Felder abgemäht werden, finden die Bienen zu wenige Futterquellen und gehen geschwächt in den Winter. Vor allem das Abmähen der Rapsfelder macht den Bienen zu schaffen, da ein Großteil von ihnen den Raps als Nektar- und Pollenquelle nutzt. Imker weichen aus diesem Grunde zunehmend auf Grünflächen in und um Städte als Bienenstandort aus.

Pestizide

Neben Krankheiten und der Monokultur bereitet den Forschern die Frage Kopfzerbrechen, wie und ob bestimmte Pestizide aus landwirtschaftlicher Nutzung ihren Teil zu erhöhten Sterberaten beitragen. Selbstverständlich gibt und gab es dazu zahlreiche Labor- und Feldstudien, die allesamt auf kein so eindeutiges Resultat kommen, wie es sich vehemente Kritiker und argwöhnische Imker wünschen.
In der Tat ist man sich selbst innerhalb der EU uneins, was zur Folge hat, dass bestimmte Pestizide in einigen Ländern untersagt wurden, in anderen Ländern wiederum bestehen keine Bedenken. Selbstverständlich spielen die Interessen der Landwirtschaft und diverser Lobbygruppierungen eine große Rolle, ob der Bienenschutz wichtiger als der landwirtschaftliche Ertragsschutz sei.
Fest steht, dass Pestizide je nach Art, Dosis und lokalen Gegebenheiten die Honigbiene beeinträchtigen, weswegen die Honigproduktionsleistung stark nachlassen kann. Eine abschließende Beurteilung lässt noch lange auf sich warten, da Forscher bekanntlich gründlich sind und viel Zeit benötigen, bevor sie sich festlegen.

Klimawandel?

Selbstverständlich sind Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen für die Natur ein wichtiger Faktor. Auch das wird im Bienenmonitoring seit über zehn Jahren erfasst. Das Resultat ist überraschend. Es gibt keine markanten Zusammenhänge. Die Forscher versuchen aufgrund der uneinheitlichen Resultate verstärkt regionale Wetterdaten einzuholen.
Bienen brauchen Blumen

Aktuell gibt es 108.000 organisierte Imker mit 746.000 Bienenvölkern.

Und was bedeutet das?

Von einem katastrophalen Ausmaß des Bienensterbens kann nicht die Rede sein. Die bisherigen Ergebnisse lassen auf Schwankungen schließen, die im Rahmen liegen. In Teilen sind sie menschengemacht (Landwirtschaft, Pestizide) und in Teilen sind sie krankheitsbedingt (Zucht, Viren und Milben).
Dies ist keine Entwarnung, denn die Probleme liegen klar auf der Hand. Es handelt sich ganz offensichtlich um eine Mischung aus unterschiedlichen Faktoren, die zusammenwirken.
Die Honigbienen sterben nicht aus. Sie benötigen mehr Aufmerskamkeit von ihren Imkern bei Krankheitsbefall und vielleicht eine Schraubendrehung weniger beim Thema Überzüchtung. Zudem darf sich die Landwirtschaft gerne überlegen, wie sie der Biene das Leben als Bestäuber leichter statt schwerer macht. Das gilt einerseits für die Monokulturen und andererseits für einen sorgfältigeren Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, der im Winter 2002/03 aufgrund falscher Handhabung zur Vergiftung von Bienenvölkern führte.
Jeder Gartenbesitzer kann mithelfen, die Bienen zu erhalten. Verzichten Sie auf giftige Pflanzenschutzmittel und pflanzen sie heimische Blumen an. Bieten Sie der Biene gesunde Nahrung und sie wird weiterhin für Ihr Honigbrot am Morgen sorgen.

Bücher über die Bienenzucht

Cornelia Diedrichs

von

Meine Seele gehört der Natur, mein Herz gehört dem Schreiben.