Monster aus der Urzeit

Ruiniert die Maulwurfsgrille die Gartenbeete?

Wenn einem die Maulwurfsgrille im Beet begegnet, ist der Schreck zunächst groß. Das urzeitliche Aussehen verleitet schnell zum Kampf gegen den vermeindlichen Schädling. Doch vielleicht ist das Monster mehr Segen als Fluch?

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Die Maulwurfsgrille

Die Maulwurfsgrille erinnert an ein Urzeitwesen.

„Was zum Teufel ist das? Das Vieh war in der Erde bei meinem Schnittlauch! Was ist das für ein Monster?“, las ich vor einigen Tagen in einer Facebook Gruppe. Eine Dame war über dies urzeitlich aussehende Wesen gestolpert und in eine leichte Panik um ihre Schnittlauchernte verfallen. Die Mitmenschen antworteten schnell, dass sie zügig gegen diesen Schädling vorgehen müsste, ihre Pflanzen allesamt in Gefahr seien, der Rasen bedroht wäre und überhaupt dies Vieh hässlich wäre.
„Das ist doch nur eine Maulwurfsgrille“, erklärte Raphaela Narath „Wir retten die immer in unsere Wiese, da sie sich manchmal bei Sonne auf die Terrasse verirren und keine Sonne mögen.“ Eine weitere insektenkundige Dame bekräftigte, dass sie die Maulwurfsgrille schon mal in der Serie Biene Maja gesehen habe.

Die Maulwurfsgrille

Die Maulwurfsgrille (Gryllotalpa gryllotalpa) hat viele Namen. In Deutschland ist sie auch als Werre bekannt. In Österreich heißt sie Zwergel und die Schweizer nennen sie Halbteufel. Sie wird zwischen 35 und 50 mm lang, ist rotbraun bis schwarz gefärbt und ihre Vorderbeine sind kräftige Grabschaufeln. Sie kann fliegen und schwimmen und lebt im lockeren Boden, vor allem in der Nähe von Gewässern oder in Gärten. Bis zu 30 Meter lange Gangsysteme werden von ihr angelegt und Insekten und deren Larven dienen ihr als Futter. Nach der Paarungszeit im Mai bis Juni legt das Weibchen 200 bis 500 Eier in einer Erdhöhle ab. Nach zehn Tagen schlüpfen die Larven und überwintern tief im Erdboden. Sie häutete sich fünf Mal bis sie nach ungefähr einem Jahr voll entwickelt ist.

Gefürchteter Gartenschädling

In Ausnahmefällen stehen Pflanzenwurzeln ebenfalls auf dem Speiseplan der Maulwurfsgrille. Allerdings nur, wenn sie nicht ausreichend Insekten und Larven zum Überleben findet. Dadurch hält sich das Ammenmärchen, dass sie grundsätzlich ein Gartenschädling wäre. Natürlich bringen die angelegten Gänge im Erdreich die Saat durcheinander, doch ist ihr Nutzen ungleich größer. Sie liebt Schneckeneier und verspeist sie fleißig. Schnecken wären ein deutlich größeres Übel im Gemüsebeet als etwas durcheinandergeratene Samen.

Muss sie bekämpft werden?

Die Maulwurfsgrille ist Schädling und Nützling gleichermaßen. Sie hilft im Kampf gegen andere Schädlinge, wird jedoch bei zu geringem Fressangebot selbst zum Zerstörer der Pflanzen. Sie steht bereits auf der Roten Liste, der vom Aussterben bedrohten Tiere. Wenn der Bestand an Maulwurfsgrillen in Ihrem Garten überhand nimmt, setzen Sie bitte keine krassen Mittel ein. Fangen Sie sie mit Lebendfallen und schenken Sie ihr die Freiheit auf einer entfernten Wiese. Es sind bereits zu viele Tiere für alle Ewigkeiten von unserer Erde verschwunden. Möge die Maulwurfsgrille nicht eines Tages dazu gehören.

Lebendfalle

Cornelia Diedrichs

von

Meine Seele gehört der Natur, mein Herz gehört dem Schreiben.