Ein faszinierender Einblick

Wovon ernähren sich Honigbienen?

Wer sich sorgenvoll mit dem Bienensterben beschäftigt, kommt nicht am Ernährungsplan der Honigbienen vorbei. Was sind die wichtigsten Futterquellen und woraus besteht ihre Nahrung?

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Honigbienen sammeln Nektar

Honigbienen erbringen erstaunliche Leistungen.

Die Biene ist ein faszinierendes Lebewesen. Sie produziert nicht nur unseren Honig. Sie trägt essenziell dazu bei, dass unsere Natur bunt und vielseitig ist.

Hochleistungssportler Honigbiene

Honigbienen erbringen eine erstaunliche Leistung. Sie sind für die Bestäubung von rund zwei drittel aller Nutzpflanzen verantwortlich. Eine einzige Honigbiene bestäubt täglich bis zu 1.000 Blüten. Pro Flug trägt sie dabei drei viertel ihres Körpergewichts an eingesammelten Nektar und Pollen! Um ein ganzes Kilogramm Honig herzustellen, muss ein Bienenvolk 1,5 Millionen Blüten anfliegen. Das entspricht rund 100.000 Kilometern Flugleistung in einem Sammelgebiet von der Größe der Stadt Köln. Ein Kilogramm reicht aber bei Weitem nicht aus. An guten Tagen produziert ein Volk 20 bis 30 Kilogramm Honig! Das macht zwei bis drei Millionen Flugkilometer pro Tag.
Honigbienen verteilen Pollen

Die Honigbiene im Einsatz: Die Blütenbestäubung über Pollen soll vor über 300 Millionen Jahren entstanden sein.

Die Biene braucht ihren Honig

Wir Menschen bzw. die Imker teilen diese Glanzleistung sehr fair auf: Von 100 Kilogramm Honig entnimmt der Imker 25 Kilogramm. Die restlichen 75 Kilogramm benötigen die Bienen für sich selbst. Der Honig ist sozusagen das Flugbenzin der Biene. Um genau zu sein, ist es nicht der Honig, sondern der Nektar, der von den Bienen nach dem Sammeln anschließend zu Honig verarbeitet wird. Der Honig enthält ein wahres Powerpaket an Nährstoffen. Der Großteil besteht aus Zucker (Frucht- und Traubenzucker). Das ist übrigens ein Grund für die lange Haltbarkeit von Honig. Zucker ist uns allen als wichtiger Energielieferant bekannt, der vom Körper schnell umgesetzt wird. Die Biene benötigt den Zucker speziell für ihren Flug, der extrem energieaufwändig ist. Die Flügel schlagen hierbei bis zu rund 250 Mal pro Sekunde, um Fluggeschwindigkeiten von bis zu 30 km/h zu erreichen. Doch der Honig enthält noch viel mehr: Wasser, Pollen, Mineralstoffe, Proteine, Enzyme, Aminosäuren, Vitamine, Farb- und Aromastoffe. Ein weiterer Teil des Honigs wird natürlich für die Aufzucht der Nachkommen verwendet.

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Ohne Pollen geht bei der Honigbiene nichts

Der Honig bzw. Nektar alleine reicht nicht aus, denn so wie jedes Tier benötigt der Körper Unmengen an Eiweiß und Fetten. Die finden sich wiederum in den Pollen der Blütenpflanzen. Pollen enthalten je nach Pflanzenart bis zu 30 Prozent Eiweiß, zehn Prozent Fette, sieben Prozent Stärke, viele Mineralien und keinen Zucker. Hochspannend ist der Aufbau einer Polle. Die Außenschicht ist gewissermaßen hart wie Diamant, denn weder Säuren, Basen, Enzyme noch Lösungsmittel können dem Mantel etwas anhaben. Das begeistert übrigens Klimaforscher, denn Pollen halten locker 100 Millionen Jahre aus, woraus die Wissenschaftler auf das damalige Klima und die Vegetation Rückschlüsse ziehen können!

Honigbienen als Kurierfahrer

Wie aber kommen die Honigbienen an das Innere mit all den Eiweißen und Fetten sowie Mineralien heran? Die Pflanzen haben sich einen tollen Trick einfallen lassen: Die Pollenwand ist von einer äußerst klebrigen Schicht umgeben, die auf der Biene anhaften und verklumpen. Schon dient die Biene als Kurierfahrer beim Nektarsammeln. Sobald sich die Biene einer weiteren Pflanze nähert, registriert diese die elektrostatische Ladung der Pollen im Anflug und weitet ihre Blüten, um die Pollen aufzunehmen. Die Biene sorgt bei der Landung für die Bestäubung der Blume und darf sozusagen einen Teil für sich selbst und das Bienenvolk als Ernährungsgrundlage behalten. Denn sie sammelt nicht nur den Nektar, sondern auch die Pollen ein, um die Ladung zum Bienenstock zu bringen. Um an das Innere heranzukommen, nutzt die Biene dasselbe Prinzip wie die Pflanzenblüten. Pollen besitzen Poren ins Innere. Der Verdauungssaft der Biene dringt über die Poren ein und löst den Pollenkern auf, während die äußere Hülle ausgeschieden wird.
Honigbiene sammelt Nektar

Die Biene produziert Honig aus dem gesammelten Nektar.

Faszination Naturpuzzle

Somit haben wir eine erstaunliche Arbeitsteilung der Natur erreicht. Alles passt wie ein wunderschönes Puzzle zusammen. Mutter Natur brauchte für das Erbauen dieses Miteinanders sehr viel Zeit. Die Blütenbestäubung über Pollen (zuerst über Wind und Wasser) soll laut Forschern vor über 300 Millionen Jahren entstanden sein. Bienen wiederum gibt es seit ca. 100 Millionen Jahren (das älteste Bienenfossil wurde in Bernstein umhüllt gefunden und wird auf bis zu 92 Millionen Jahre geschätzt). Damit das Naturpuzzle erhalten bleibt, bedarf es bienenfreundlicher Gärten.

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Die Honigbiene als Verräter und Fälschungsgut

Zu guter Letzt etwas Makabres: Sollten sich am Tatort Pollen auf einer Leiche befinden, kann die Gerichtsmedizin anhand der Pollen feststellen, wann der Mord geschah und ob die Leiche vom Mörder transportiert wurde. Denn jede Polle hat eine eigene Signatur gleich einem Fingerabdruck. Dies gilt auch für Honigbetrug. Über die Pollenreste im Honig kann ein Labor herausfinden, ob der Honig aus gewöhnlichen Rapsnektar stammt anstatt aus Neuseeland. Neuseeland ist die Heimat des teuersten Honig der Welt. Der Manuka-Honig kostet nicht selten 300 Euro pro Kilo. Der Versuch des Betrugs mit diesem Honig verwundert daher nicht. 10.000 Tonnen werden jährlich verkauft, doch nur 1.700 Tonnen werden hergestellt. Eine wundersame Vermehrung. Prüfen Sie vor dem Kauf also die Zuverlässigkeit des Händlers genau.

Manuka-Honig

Cornelia Diedrichs

von

Meine Seele gehört der Natur, mein Herz gehört dem Schreiben.