Dünger und Schädlingsbekämpfer

Brennnesseljauche: Naturdünger für den Garten

Brennnesseln sind Unkraut. Sie brennen, sie wuchern und gehören ausgerupft und niedergemäht. Kein Mensch braucht sie! Falsch! Denn sie sind ein Segen und lassen Gärten schöner erblühen!

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Brennnessel Jauche

Die Brennnesseljauche ist schnell angesetzt.

Die Brennesel wächst fast überall auf der Welt. Einzig in der Antarktis hat sie keinen Nährboden. In den Tropen ist sie als riesiger Baum zu finden und hat kaum Ähnlichkeit mit dem krautartigen Gewächs in unseren Gefilden. Die große Brennnessel ist bei uns am bekanntesten. Sie bildet Rizome aus, die unterirdisch ein wahres Netzwerk von kriechenden Seitensprossen bilden. Sie weisen in regelmäßigen Abständen Knötchen auf an denen die Brennneselstränge senkrecht nach oben wachsen. Deswegen tauchen Brennnesseln nie allein auf. Sie wachsen stets als Feld über mehrere Quadratmeter als Teil ein und derselben Pflanze. Es ist auch der Grund wieso es so schwer ist, sie endgültig aus Gärten zu verbannen. Das unterirdische Netzwerk ist widerstandsfähig und lässt sie stets wiederkehren.

Fluch oder ...

Unkraut hat niemand gern im Garten. Wenn sich die Brennnessel im Garten ansiedelt, fluchen die Besitzer nicht selten. Sie rupfen und zupfen und entsorgen sie auf dem Kompost. Niemand mag Brennnesseln im Garten, wenn Kinder darin spielen. Schnell fällt ein Kind hinein und weint bitterliche Krokodilstränen. Für Teenager stellt die Pflanze eine unschöne Mutprobe dar. Die Brennnessel verteidigt sich bei Berührung mit einem Gift, welches Quaddeln und Juckreiz auslöst. Es ähnelt dem Ameisengift und kommt häufig in der Natur vor. Es dient dem Schutz der Pflanze. Wer schlau ist, fasst sie immer nur „mit dem Strich“ der Brennhaare an, um unliebsamen Giftkontakt zu vermeiden.

... Segen?

Andere Gartenbesitzer freuen sich jedoch über den Brennnesselwachstum. Sie dienen ihnen als Grundlage für einen hervorragenden Naturdünger und nutzen sie als natürliches Schädlingsbekämpfungsmittel.
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Die Brennnessel ist Unkraut. Sie verletzt uns und stört unseren Garten. Niemand mag sie und niemand will sie haben. Dabei ist sie ein nützlicher Gartenhelfer, eine leckere Speise und fördert die Gesundheit.

Brennnesseljauche ansetzen

Schneiden Sie die Brennnesseln mit einer Schere ab. Tragen Sie unbedingt Handschuhe und lange Kleidung. Legen Sie die Pflanzenteile in einen Holz- oder Kunststoffbottich und begießen sie komplett mit Regenwasser. Die Blüten der Pflanze dürfen nicht verwendet werden. Größere Pflanzen kürzen Sie einfach auf die passende Länge. Metallgefäße sind ungeeignet, da sie mit der Jauche chemisch reagieren. Bedecken Sie den Bottich mit einem Gitter oder Kaninchendraht, um das Ertrinken von Tieren zu vermeiden. Sie verhindern durch das Abdecken mit einem Tuch Verunreinigungen durch Laub & Co.
Ab jetzt heißt es warten. Rühren Sie täglich die Jauche um, damit Sauerstoff hineinkommt – ohne funktioniert die Gärung nicht. Nach wenigen Tagen wirft die Jauche Blasen und schäumt. Zeitgleich stinkt sie unerträglich. Wählen Sie den Aufstellort des Bottichs mit Bedacht. Ihre Nachbarn könnten Sie hassen und der Nachbarschaftskrieg lässt sich vermutlich nicht mit dem Teilen des Düngers besänftigen. Halten Sie ausreichend Abstand zu Ihrer eigenen Terrasse. Der Gärprozess dauert zwischen zwei und vier Wochen. Ein sonniger Platz beschleunigt die Gärung und verkürzt die Stinke-Zeit. Geben Sie ein wenig Steinmehl oder Lavendel hinein, um den Gestank zu mildern. Sobald die Jauche dunkel wird und nicht mehr schäumt, ist der Prozess abgeschlossen. Nach dem Sieben ist Ihr Bio-Dünger einsatzbereit. Die Pflanzenreste wandern auf den Kompost.
Brennnesseljauche dient als Dünger

Die Brennnesseljauche ist fertig, wenn das Schäumen und Blubbern aufhört.

Das Düngen kann beginnen

Junge Pflanzen vertragen den Naturdünger aus Brennnesseln nicht so hoch konzentriert wie alte und große Pflanzen. Folgende Regel gilt für die richtige Konzentration:
  • Alte und große Pflanzen: 1 Teil Jauche : 10 Teile Wasser
  • Junge Pflanzen und Setzlinge; 1 Teil Jauche : 20 Teile Wasser
  • Rasen: 1 Teil Jauche : 50 Teile Wasser
Brennneseljauche herstellen

Brennnesseljauche stinkt. Wählen Sie einen abgelegenen Stellplatz zum Ansetzen aus!

Selbstverständlich dürfen Sie auch Starkzehrer wie Tomaten, Kartoffeln, verschiedene Kohlsorten, Kürbis, Zucchini, Brokkoli, Paprika, Lauch, Gurken, Sellerie und weiteres Gemüse damit düngen. Hier empfiehlt sich ebenfalls das Mischverhältnis von einem Teil Jauche und 20 Teile Wasser. eGarden-Leserin Susan Schumann setzt Brennnesseljauche dieses Jahr zum ersten Mal für ihre Gurken, Kürbisse und Tomaten als Dünger ein. Sie ist sehr gespannt, wie das Ernteergebnis ausfällt.

Den Blattläusen an den Kragen

Brennnesseln eignen sich auch als Schädlingsbekämpfungsmittel. Hierfür setzen Sie eine Brennnesselbrühe / einen Brennnesselsud an. Die Herstellung erfolgt wie bei der Brennnesseljauche, doch ist der Sud bereits nach 24 Stunden fertig. Nach dem Sieben kann er in eine Sprühflasche umgefüllt werden. Von Blattläusen befallende Pflanzen müssen täglich eingesprüht werden. Nach ungefähr einer Woche sollten die Pflanzen frei von den lästigen Störenfrieden sein.

In Frankreich verboten

In Frankreich ist seit 2002 der Verkauf von Brennnesseljauche verboten. Seit 2006 darf sie weder verkauft, noch hergestellt noch besessen werden. Sollte Ihr Garten in Frankreich liegen, halten Sie von diesem Naturdünger besser Abstand. Sein Besitz kann mit bis zu 75.000 Euro und zwei Jahren Haft geahndet werden. Die offizielle Begründung für das Verbot besteht darin, dass es bisher keine zuverlässigen wissenschaftlichen Studien über die Langzeitfolgen des Düngens mit Brennnesseljauche gibt. Solange die Unbedenklichkeit des Naturdüngers nicht nachgewiesen ist, will Frankreich an dem Verbot festhalten.

Heilen und Verzehren

Die Brennnessel ist eine verkannte Pflanze. Sie ist kein Unkraut, sondern Dünger, Heilpflanze und kann sogar verzehrt werden. Brennesselsamen sind sogar erstaunlich wohlschmeckend. Die chemische Analyse der Brennnessel zeigt, dass sie ein vollwertiges Nahrungsmittel ist. Sie enthält viel Eisen, Vitamin A, C und E, Phosphor, Natrium, Kalium und Magnesium. In ihr findet sich mehr Vitamin C als in Orangen und mehr Eiweiß als in Soja. In Suppen überrascht sie mit einem besonders milden Geschmack. Mit ihrer entzündungshemmenden Wirkung wird sie als Tinktur oder Salbe bei verschiedensten Erkrankungen unterstützend eingesetzt. Die Brennnessel ist vielseitig und nützlich. Vielleicht verliert sie eines Tages den Ruf der ungeliebten Pflanze, denn die Gründe sie zu lieben überwiegen deutlich.

Brennessel: Tee, Dünger Bücher, Pulver ...

Cornelia Diedrichs

von

Meine Seele gehört der Natur, mein Herz gehört dem Schreiben.