Effektive Biowaffe

Selbstversuch: Marienkäfer gegen Blattläuse

Ist natürliche Blattlausbekämpfung auf dem Balkon oder im Garten möglich? eGarden-Redakteurin Katharina Mittag hat es versucht – mit Marienkäferlarven. Ihre Erfahrungen mit Bestellung und Wirkung sowie ein ehrliches Fazit nach 30 Tagen Beobachtung lesen Sie hier.

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Marienkäfer und Blattlaus

Hübsch und nützlich – der Marienkäfer.

Mein Balkon ist meine kleine Erholungsoase. Wie in jedem Jahr, habe auch dieses Frühjahr reichlich gepflanzt und gesät. Es gedeihen Erdbeeren, Himbeeren, Tomaten, Erbsen und Gurken neben Petunien, Kräutern und Hortensien. Gesellschaft leisten dürfen mir beim Entspannen auf dem Balkon natürlich die Familie und Freunde. Wen ich dort aber gar nicht brauchen und willkommen heißen kann, sind Blattläuse. Diese kleinen grünen Biester haben sich dieses Jahr offenbar in meinen Töpfen und an meinen Pflanzen ihr Feriendomizil gesucht. Schon im letzten Jahr bekam ich Besuch von ihnen. Da habe ich viel Geld für ein biologisches, für Obst- und Gemüsepflanzen geeignetes Spritzmittel ausgegeben. Das hat leider nicht viel gebracht, nur furchtbar nach frischem Dung geduftet. Dieses Jahr sollte es bequemer sein und vor allem weniger stinken.

Die Marienkäferlarve – mein Freund und Helfer

Manchmal ist es von Vorteil, wenn man in einer ländlichen Umgebung groß geworden ist und das Interesse an Flora und Fauna auch in der Großstadt nicht verloren hat. Ich wusste zwar, dass Marienkäfer und deren Larven Blattläuse in rauen Mengen fressen bzw. aussaugen, dass ich sie jedoch bestellen kann, war mir neu. Durch Zufall stieß ich auf die Website www.schneckenprofi.de, auf der es eine erstaunliche Auswahl an natürlichen Feinden für allerlei Ungeziefer gibt. Gut erklärt und übersichtlich waren die Marienkäferlarven schnell bestellt und kamen per Post nach wenigen Tagen bei mir an. Jetzt musste ich die hungrigen Tierchen nur noch aussetzen.

Galerie: Zur Selbstaufzucht: Marienkäferlarven

Schritt für Schritt zum Erfolg

In dem sicher verpackten Paket war alles drin: Anleitung, Papiertütchen zum Aussetzen der Larven, Tipps und Hinweise sowie selbstverständlich die klitzekleinen Larven mit eigenem Reiseproviant (Blattlaus to go). Ich hatte zwei Schachteln mit jeweils ca. 30 Larven des Siebenpunkt-Marienkäfers bestellt. Die Ausbringung an Ort und Stelle verlief problemlos. Ich habe mich dazu entschieden, die Larven direkt in ihren Papierstreifen in die Pflanzen zu setzen. Wichtig war, dass es am Abend passiert und die Außentemperatur idealerweise zwischen 18 und 25 Grad Celsius liegt. Es sollte beim Aussetzen nicht kälter als 14 und keinesfalls heißer als 30 Grad sein. Das heißt, solange sich die Temperaturen in diesem Bereich aufhalten, können die Larven zum Einsatz kommen. Also auch im Hoch- oder Spätsommer. Wird es kälter, verkriechen sich die Marienkäferlarven, fressen nicht und verfallen in eine Starre. Über Nacht verteilten sich die Marienkäferlarven am besten auf den Pflanzen. Das erschien für mich zunächst als Problem, denn so klein, wie sie waren, dachte ich erst, sie seien geflüchtet! Doch nach einigen Tagen fand ich vereinzelt Larven, die schon ein gutes Stück gewachsen waren. Für mich war nicht nur deshalb, sondern auch aufgrund der vielen ausgesaugten und vertrockneten Blattläuse klar: Es hat funktioniert!
Marienkäfer frisst Blattlaus

Marienkäferlarven fressen bis zu 150 Blattläuse am Tag. Marienkäfer immerhin noch ca. 50.

Einmal Marienkäferlarven und für immer Ruhe?

Leider nein. Zumindest nicht bei mir. Es kann daran liegen, dass die Larven von einem Balkon schneller wegkrabbeln können. In einem größeren Garten verteilen sie sich vermutlich besser auf die anderen eigenen Pflanzen und nicht auf die umliegenden Balkone. Es kann jedoch auch sein, dass die kleinen Leichtgewichte durch den starken Wind in Mai und Juni davongeweht wurden. Fest steht, dass sie einen Großteil der Blattläuse an Blaubeere, Erdbeeren und Tomaten vernichtet haben und ich zumindest fünf große Larven wiedergefunden habe. Die Verpuppung konnte ich nicht beoachten, aber ich hatte auch keine Muße, jedes einzelne Blatt auf dem Balkon umzudrehen. Nach einem knappen Monat tauchten vereinzelt Marienkäfer auf, die tatsächlich sieben Punkte hatten. Ich bin davon überzeugt, dass die das Ergebnis meiner freigelassenen Larven waren.

Fazit

Marienkäferlarven als Schädlingsbekämpfung zu nutzen, ist durchaus effektiv und vor allem nachhaltig. Es kann nicht zu einer Überbevölkerung auf Ihrem Balkon oder im Garten kommen, da sich Nützlinge und Schädlinge in einem geregelten Gleichgewicht einpendeln. Weniger Blattläuse bedeutet weniger Marienkäfer, mehr Läuse regen die Käfer wiederum zum Vermehren an. Kostengünstig ist diese Art der Blattlausbekämpfung auch nicht unbedingt. Mit knapp 30 Euro sind sie etwa dreimal so teuer wie eine Flasche des biologischen Pestizids, dass ich im letzten Jahr benutzt habe. Obwohl ich immer noch einige Blattläuse an den Pflanzen habe, würde ich die Larven wieder bestellen. Tatsache ist, dass die Witterungsbedingungen in Mai und Juni mit dem vielen Wind und Regen nicht optimal waren. Nichtsdestotrotz hatten meine Tochter und ich beim Aussetzen und vor allem Beobachten viel Spaß. Von mir gibt es also für Garten, Balkon und Gewissen eine definitve Empfehlung.

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