Ist online günstiger?

Baldur Garten im Test: Pflanzen bestellen im Internet

Wer einen Garten hat, kennt das Phänomen: Das Unkraut sprießt, während die gekauften Pflanzen bei jeder Kleinigkeit gnadenlos verrecken. Egal ob zu viel oder zu wenig Wasser, falscher Boden oder gefräßiger Schädling: Die edle Botanik rafft’s sofort dahin. Das geht ins Geld. Sind Pflanzen im Internet billiger?

Datum:
Baldur Pflanzen

Netze und umweltfreundliches Papier schützen die Pflanzen vor Transportschäden.

Einschätzung
der Redaktion

Fazit: Das müssen Sie wissen

Im Gegensatz zu vielen anderen Waren greift der Internet-Vorteil bei Pflanzen kaum. Denn die Sortimente der Shops sind schlecht miteinander vergleichbar. Schließlich ist jede Pflanze anders. Schnäppchen lassen sich dadurch nur schwer ausmachen. Der Rückversand bei Nichtgefallen ist ebenfalls problematisch. Persönlich kaufe ich daher meine Pflanzen weiter in der Gärtnerei meines Vertrauens. Hier kann ich die Ware vor dem Kauf genau in Augenschein nehmen und die Beratung ist ebenfalls top.

Pro

  • Bequeme Auswahl
  • Informative Seite
  • Guter Service

Kontra

  • Umständlicher Rückversand bei Nichtgefallen
  • Pflanze kann vorher nicht ausgesucht und begutachtet werden
  • Vergleichsweise kleine Pflanzen
Der Besuch einer Gärtnerei, um den Garten wieder aufzupeppen, ist nicht jedermanns Sache. Erstens verleiten einen die vielen, schönen Pflanzen zu Spontankäufen, wodurch man stets zu viel Geld ausgibt. Zweitens passt der Einkauf selten ins Auto und drittens ist die Karre schnell verdreckt. Warum also nicht im Internet Pflanzen bestellen? Klappt schließlich bei Büchern, Tierfutter, Elektronik und fast allen anderen Dingen meist auch sehr gut. Ein Selbstversuch.

Baldur Garten im Test

Meine Wahl fällt auf Baldur-Garten. Die Online-Gärtnerei landet bei Google ganz oben im Ranking und hinterlässt auf den ersten Blick einen guten Eindruck: Es geht hier zwar sehr farbenfroh zu, dafür laden anscheinend günstige Angebote zum Shoppen ein und viele positive Kundenmeinungen bürgen für ordentliche Produkte. Praktisch ist auch, dass sich Pflanzen nach Farbe, Standort und Wuchshöhe sortieren lassen. Der Shop verspricht überdies „100 Jahre Erfahrung“, „über 50.000 Facebook-Fans“ sowie „perfekt verpackte, sorgfältig ausgesuchte Ware und passenden Service“. Was soll da schiefgehen?

Galerie: Baldur Garten im Test

Die erste Bestellung

Gesagt getan: Ich bestelle gleich mal ein halbes Beet: Einen Bauern-Jasmin, einen Mandelbaum, einen Sommerflieder und jeweils eine Him- und Heidelbeere. Gut: An der Kasse kann ich per Kreditkarte und noch viel besser mit PayPal oder auf Rechnung bestellen. Bei den Lieferzeiten gibt sich Badur Garten nebulös: „Die Lieferzeit hängt davon ab, ob Ihre bestellten Artikel sofort lieferbar sind.“. Sind sie alle. Trotzdem klingelt der Paketbote erst nach drei Tagen an der Tür. Vor mir steht ein mittelmäßig großer Karton. Da sind „alle“ Pflanzen drin? Tatsächlich.
Damit die Pflanzen auf dem Transportweg möglich wenig abbekommen, sind sie einem Netz eingewickelt, wie man es vom Weihnachtsbaumkauf kennt. Zudem stecken sie in einem feuchten Topf. Der erste Eindruck ist ordentlich, allerdings kommen mir die Größen im Vergleich zu der üblichen Gärtnereiware ziemlich mickrig vor. Der Mandelbaum, mit 18,50 Euro ausgerechnet das teuerste Produkt im Warenkorb, ist zudem in einem schlechten Zustand. Die Blätter sind löchrig und zum Teil braun angelaufen.

Guter Service

Also den Service kontaktieren. Der meldet sich prompt. Man entschuldigt sich, dass die Lieferung nicht zu meiner Zufriedenheit ausgefallen sei und dass sich eine Ersatzlieferung bereits auf dem Weg befinde. Das nenne ich Kundenfreundlichkeit! Schusseligkeit nenne ich es, als ich das zweite Paket öffne. Denn in dem steckt kein Mandel- sondern ein Pfirsichbaum. Also wieder den Service anmailen. Abermals entschuldigt man sich und bringt umgehend einen „echten“ Mandelbaum auf den Weg. Den Pfirsichbaum soll ich entweder zurückschicken oder bezahlen. Das finde ich nicht ganz so kulant, schließlich kann ich der Pflanze nicht ohne Weiteres das Netz überstülpen. Ich biete deshalb an, zumindest die Hälfte zu bezahlen und die Pflanze zu behalten. Das wird freundlich abgelehnt. Letztlich aber egal, da ich bis heute keine Rechnung für den Pfirsichbaum erhalten habe.

Der dritte Versuch

Ich lasse es auf einen dritten Versuch ankommen. Diesmal hat es mir die „Lavendel-Kollektion“ angetan“, die für 18,99 Euro gleich 9 Pflanzen beinhaltet. Das scheint mir günstig, selbst im Supermarkt kostet ein Lavendel selten weniger als 1,99 Euro. Sinn macht’s aber nur, weil ich mit der ersten Bestellung einen Gutschein für Gratisversand dazubekommen habe. Ansonsten wären noch 5,95 Euro Versand dazu gekommen. Diesmal sind die Pflanzen bereits am nächsten Tag da. Es sind die kleinsten Lavendel, die ich je gesehen habe. Da relativiert sich der günstige Preis.

Preisvergleich kaum möglich

Generell ist es schwierig Pflanzenpreise zu vergleichen. Zu groß ist die Auswahl an Gattungen, Zustand und Größe. Mein Gefühl sagt mir: Baldur Garten ist nicht günstig. Die Lavendel empfang ich angesichts der Größe beispielsweise als überteuert. Und in einem Gartencenter in der Umgebung kaufte ich einen Mandelbaum für 15 Euro, der ungefähr doppelt so groß ist und auch sonst einen besseren Eindruck macht (siehe Bilderstrecke) als der von Baldur Garten. Der Qualitätseindruck der von Baldur Garten gelieferten Ware ist auch sonst allenfalls in Ordnung, keinesfalls berauschend. Nach drei Monaten haben sich Beeren und Jasmin gut entwickelt, Mandel- und Pfirsichbaum machen hingegen einen schlappen Eindruck. Der Sommerflieder wurde leider vom Hund plattgetrampelt.
Nils Matthiesen

von

Seit rund 20 Jahren begeistert sich der Düsseldorfer für moderne Technik aller Art. Seine Erfahrungen teilt er in diversen Fachzeitschriften und Online-Medien.

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