Na dann: Gut Holz!

Einen Baum fällen – kann ich das selber machen?

Wenn Bäume erkranken, umzustürzen drohen oder einfach zu groß geraten, greift so mancher Gartenbesitzer selbst zur Axt. Aber darf man einfach so einen Baum fällen? eGarden klärt auf.

Datum:
Baum faellen

Zwei Schnitte für die Fallkerbe und einen Fallschnitt: Mit den richtigen drei Schnitten fällt jeder Baum.

Seit 2010 gilt in Deutschland: Zum Schutz nistender Vögel dürfen vom 1. März bis zum 30. September in der Regel keine vom Bundesnaturschutz erfassten Bäume gefällt werden. Und auch ein drastischer Kronenschnitt ist verboten. Ausnahmen: Bäume in Klein- und Hausgärten, auf Friedhöfen, Rasensportanlagen und Grünanlagen, in denen keine wild lebenden Tiere leben. Außerdem dürfen keine anderen naturschutzrechtlichen Vorschriften bestehen, etwa bestimmte Baumschutzsatzungen wie festgelegte Stammumfänge. Diese Baumschutzsatzungen werden lokal durch die Kommunen erlassen. So dürfen Sie zum Beispiel in Berlin keine Laubbäume, die Nadelgehölzart Waldkiefer und die Obstbaumarten Walnuss und Türkischer Baumhasel fällen, die einen Stammumfang ab 80 Zentimeter in einer Höhe von 1,30 Meter über dem Erdboden haben. In Mannheim etwa gilt das für alle Bäume (außer im Wald stehend) ab einem Umfang ab 60 Zentimeter. Da diese Bestimmungen von Kommune zu Kommune verschieden sind, informieren Sie sich vorher bei der zuständigen Behörde. Sollten Sie trotz Fällverbots planen, einen Baum in einer Nacht- und Nebelaktion um die Ecke zu bringen, müssen Sie mit einer hohen Geldstrafe rechnen. Das können mehrere tausend Euro sein. Wenn ein Baum krank ist, etwa stark unter Baumpilzbefall leidet und umzustürzen droht, können Sie eine Sondergenehmigung zum Fällen beantragen.
Achtung Holzfaellung

Damit niemand verletzt wird, sichern Sie den Fällplatz großräumig ab.

Wachsamkeit ist Pflicht

Wenn Sie grünes Licht bekommen haben, kann es ans Baumfällen gehen. Bevor Sie zur Kettensäge oder Axt greifen, sollten Sie sich einen Plan zurechtlegen. In der Regel liegt ein Baum mit drei Schnitten auf der Seite. Oberstes Gebot: die Sicherheit. Bäume fällen ist eine gefährliche Arbeit, bei der das Unfallrisiko sehr hoch ist. Schon der erste Schnitt mit der Säge macht den Baum instabil und kann ihn zum Umkippen bringen. Deshalb sollten Sie alle zum Einsatz kommenden Werkzeuge, etwa eine Kettensäge oder eine Axt, sicher beherrschen. Wenn Sie sich unsicher fühlen, sollten Sie auf jeden Fall einen Fachmann mit den Arbeiten beauftragen. Tipp: Prüfen Sie vorher, ob Ihre Versicherung im Schadensfall, etwa wenn der fallende Baum Nachbars Garage zerlegt, einspringt und den Schaden reguliert.
Fallrichtung bestimmen und Areal absichern: Legen Sie als Erstes die Fallrichtung des Baums fest. Dazu müssen Sie seine Höhe und die Kronenbreite bestimmen. Für den richtigen Sicherheitsabstand addieren Sie noch einmal die Hälfte der ermittelten Maße dazu. Idealerweise sperren Sie das Gebiet mit Flatterband ab. Weder unbeteiligte Personen noch Tiere oder Gegenstände, die Schaden nehmen könnten, sollten sich in unmittelbare Nähe befinden.
Schutzkleidung: Die Berufsgenossenschaften schreiben nach geltenden gesetzlichen Unfallverhütungsvorschriften folgende Schutzkleidung beim Bäume fällen vor:
  • Sicherheitsschuhe
  • Schutzhelm mit Visier
  • Gehörschutz am Schutzhelm
  • Schnittschutzhose
  • Geeignete Arbeitshandschuhe für Kettensägearbeiten
  • Schnittschutzjacke

Das richtige Werkzeug

Natürlich können Sie Bäume wie früher üblich per Handsäge und Axt zu Fall bringen. Einfacher geht es, wenn Sie zur Kettensäge greifen. Gerade bei dicken Stämmen ist das empfehlenswert. Alles was Sie über Kettensägen wissen müssen, erfahren Sie in der entsprechenden eGarden-Kategorie. Zusätzlich benötigen Sie einen Fällkeil und eine Fällaxt.

Anleitung: So fällen Sie einen Baum

Die Fallrichtung des Baums wird durch die Fallkerbe festgelegt. Das heißt, der Baum fällt in die Richtung, an der die Kerbe gesetzt wird. Optimal ist ein Öffnungswinkel der Kerbe von 60 bis 80 Grad. Für die Fallkerbe sägen Sie zuerst den oberen Schnitt und zwar schräg nach unten. Achtung: damit der Baum später exakt in die vorbestimmte Richtung fällt, sägen Sie nicht tiefer als ein Fünftel bis ein Drittel des Durchmessers des Baums.
Sägen Sie anschließend den unteren Schnitt der Kerbe, bis beide Schnitte zusammenkommen. Dann schlagen Sie den ausgesägten Keil heraus. Nun wird es ernst, der alles entscheidende Fallschnitt folgt. Dazu sägen Sie auf der gegenüberliegenden Seite der Fallkerbe ganz leicht über der Fallkerbe direkt auf die Fallkerbe zu.
Vorsicht: Sägen Sie nicht ganz durch, sondern stoppen Sie ungefähr drei Zentimeter vor der Fallkerbe. Auf diesem Rest steht der Baum dann bis zum finalen Schritt: Entfernen Sie die Säge aus dem Stammschnitt. Nehmen Sie nun den sogenannten Fällkeil zur Hand, und schlagen Sie ihn mit der Fällaxt in den eben gesägten Schnitt, genau mittig gegenüber der Fallkerbe ein. Schlagen Sie solange auf den Fällkeil, bis der übrig gebliebene Teil des Stamms hörbar knackt und bricht. Der Baum beginnt jetzt zu kippen.
Torsten Stender

von

Komplizierte Ratgeber und Anleitungen sind dem gebürtigen Kieler ein Dorn im Auge. „Verständliche Texte mit Nutzwert sind ja kein Hexenwerk.“

Kommentare

Die Technik der Kommentarfunktion „DISQUS“ wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.