O Tannenbaum! Wie echt sind deine Blätter?

Künstliche Weihnachtsbäume im Test

Kein Fest ohne Baum! Sind künstliche Weihnachtsbäume ein Ersatz für echte Tannen aus Wald oder Baumschule? eGarden hat zehn künstliche Weihnachtsbäume unter die Lupe genommen.

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Künstliche Weihnachtsbäume im Test

„Mit Natürlichkeit haben diese Bäume nichts zu tun“, mein Weihnachtsbaum-Experte Heinz Querling.

Schöner Wuchs, sattes Grün, weiche Nadeln: Die Nordmanntanne ist hierzulande der beliebteste Weihnachtsbaum. An Heiligabend steht sie in 80 Prozent aller deutschen Wohnzimmer. Eine Woche später kommt der Baum zu seinen ausgedienten Artgenossen an die nächste Abholstelle und so mancher ins Grübeln: Da zahlt man jedes Jahr 30 bis 70 Euro für etwas, das nur ein paar Tage in der Wohnung steht – gibt es da nicht eine günstige, länger haltbare Alternative?
Kein Problem, Weihnachtsbäume aus Kunststoff lassen sich problemlos wiederverwenden. Aber sehen die überhaupt einigermaßen natürlich aus? Gibt es damit denn festliche Stimmung, oder riecht Weihnachten dann nur nach Plastik? Und enthalten die Teile auch noch Schadstoffe? Sind sie feuerfest? eGarden hat rechtzeitig zum Fest zehn Bäume in unterschiedlichen Preisklassen, Farben und Formen im Labor und in der Praxis getestet sowie einen Experten konsultiert.
Künstliche Weihnachtsbäume Verpackung

Alle Bäume kommen in Einzelteilen, meistens sind es vier. Die müssen dann erst mal zusammengesteckt werden.

Zehn Bäume steh’n im Walde

Wie unterschiedlich der Test-Wald bestückt war, zeigt die Baum-Parade in der Bildergalerie. Nur in einem Punkt unterscheiden sich die Testkandidaten nicht: Alle haben die beliebte Höhe von 1,80 Meter.
Der erste Weg führte zum Experten – für echte Bäume. Nördlich von Hamburg betreibt Profigärtner Heinz Querling schon seit vielen Jahren eine florierende Baumschule: Im Tannenhof Querling dürfen Kunden ihren Weihnachtsbaum auch selbst schlagen. Der künstlichen Konkurrenz kann der Fachmann dagegen wenig abgewinnen. Besonders die schrillbunten Exemplare „Alaska“ und „Tanne rosa“ fielen dem Baumzüchter fast schmerzhaft ins Auge.

Galerie: Zehn künstliche Weihnachtsbäume im Test

Weihnachten riecht anders

Die anschließende Geruchs- und Tastprobe änderte an Querlings Urteil nichts. Der Fachmann nahm eine Nase künstlichen Weihnachtsbaumduft und befühlte die Zweige sowie Nadeln der Testkandidaten – überzeugen konnte ihn keiner.
Mit tausendfach geübten Handgriffen strich Querling an Stamm und Zweigen entlang, griff beherzt ins Grün, fand aber nichts, was ihn begeistern konnte. Keiner der zehn Bäume bot ihm ein Gefühl, als habe er Nadeln am Finger. Zwar machte der Experte durchaus Unterschiede bei den Bäumen aus („Das soll wohl eher eine Kiefer sein als eine Tanne“), aber als einigermaßen natürlich empfand er keinen der Plastikbäume, für ihn fühlte sich alles künstlich an.
Lediglich der Geruch fand noch Gnade in der Nase des Experten – es gab nämlich keinen. „Das ist immerhin ganz realistisch“, erklärte der Baumschulen-Betreiber: „Eine Nordmanntanne riecht eigentlich auch nach nichts.“
Nachdem der Plastikwald längere Zeit in einem geschlossenen Raum stand, fielen die Eindrücke in der Redaktion etwas anders, aber keinesfalls besser aus: Besonders die Bäume von Xenotec und Ikea sonderten einen Plastikgeruch ab. Der Wunsch nach echtem Tannen-Aroma blieb deshalb unerfüllt, kein Baum konnte Nadelbaumduft bieten.

Schnellaufbau? Leider nein!

Die Experten untersuchten im Anschluss vor allem die Handhabung der künstlichen Bäume. Schließlich ist der schnelle, unkomplizierte Auf- und Abbau ein wesentliches Kaufargument. Tatsächlich waren alle zehn Bäume nach wenigen Minuten ausgepackt und zusammengebaut. Doch einen schönen Anblick boten sie nicht, denn die Tücke steckt in den Details: Der Kunde muss erst mal mühsam alle Äste und Zweige zurechtbiegen, bis der Baum eine halbwegs realistische Form zeigt und nicht wie ein zerrupfter Besen aussieht.
Künstliche Weihnachtsbäume Zweige zurechtbiegen

Zweige biegen: Bis der Baum hübsch aussieht, kann es gut eine Stunde dauern.

Je nach Sorgfalt und Geschmack dauert die ganze Baum-Biegerei locker eine Stunde oder sogar noch länger – von einem schnellen, problemlosen Aufbau kann also keine Rede sein. In Anbetracht der teilweise extrem hohen Preise von bis zu 230 Euro erwarten die meisten Kunden sicher deutlich mehr Komfort. Ein echter Baum ist dagegen bereit fürs Schmücken, sobald er gerade steht – Zweige nachbiegen ist da eben nicht nötig.
Im Gegensatz zu echten liegt den künstlichen Bäumen ein Ständer bei. Die unterschieden sich zwar deutlich, und nicht alle wirkten vertrauenerweckend stabil, aber keiner der Ständer erwies sich im Test als auffällig wackelig. Ein kräftiger Stoß warf die Bäume zwar um, aber das würde bei einem echten Baum auch passieren.
Die Preisunterschiede machten sich vor allem in der Ausstattung bemerkbar: Die teuren Kunststoffbäume kamen in einer stabilen Verpackung, mit Schutzkappen an den spitzen Enden der Stammteile. Vor allem der Testsieger von Hallerts glänzte mit gut verarbeiteten Steckrohren. Die günstigen Bäume konnten da nicht mithalten.
Künstliche Weihnachtsbäume Labor

Die Experten im Testlabor Bureau Veritas lösten die Teile der Weihnachtsbäume in Säure auf, um ihre Bleiwerte zu ermitteln.

Spitzen ohne Haltung

Die Spitzen der Bäume waren allerdings durchgehend eine Enttäuschung: Keine einzige konnte einen handelsüblichen Stern tragen. Einige bogen sich deutlich, andere knickten sofort ein. Immerhin ließen sich an den Zweigen Kugeln und Kerzen problemlos anbringen. Das dürfen sogar echte Kerzen sein, denn das Labor fand in keinem der Testkandidaten brennbare Substanzen.
Am Ende stellte sich sogar eine unerwartete Gemeinsamkeit der echten und der künstlichen Bäume heraus: Einige der günstigen Testkandidaten verloren wie eine echte Nordmanntanne an Heilige Drei Könige ihre Nadeln. Die fühlen sich wie Papier an und sind nicht gerade sicher an den Zweigen fixiert. Ein derart gerupftes Plastikgerippe ist wohl bald reif für den gelben Sack.

Fazit

Für Sie ist Weihnachten das Fest der Feste, das vor allem zu Hause eine besinnliche Wirkung in allen Facetten entfalten soll? Sie würden Ihren Weihnachtsbaum niemals mit einer elektrischen Lichterkette bestücken, sondern nur mit echten Kerzen? Dann gehen Sie raus und besorgen sich einen echten Baum, den Sie vielleicht sogar selbst im Winterwald schlagen. Denn der große Vergleichstest zeigt ganz klar: Nur bei flüchtigem Hinsehen und aus einigem Abstand bieten die Plastiktannen zumindest die Illusion eines Weihnachtsbaums. Den Kandidaten auf den hinteren Plätzen gelingt nicht mal das. Auf den Seiten der Internet-Shops sehen viele der Kunsttannen zwar noch ganz manierlich aus, in der Praxis ist aber deutlich mehr Luft zwischen den Zweigen. Darüber hinaus ist es mit Auspacken und Aufstellen nicht getan, bei jedem Testkandidaten müssen erst mal die Zweige mühsam in eine halbwegs natürliche Form gebogen werden.
Wenn bei Ihnen dagegen kleine Kinder und lebhafte Haustiere wild um den Baum tollen, dann ist schon aus Sicherheitsgründen ein künstlicher Baum durchaus eine Alternative zum echten, aber brennbaren Weihnachtsbaum. Denn im Test erwiesen sich alle Kandidaten als feuerfest. Ebenfalls erfreulich: Das Labor fand in keinem der Bäume Schadstoffe, einzige Ausnahme waren hohe Bleiwerte im Tannenbaum von Weltbild. Und den im Vorfeld des Tests befürchteten Plastikgeruch verströmte auch nur ein Exemplar – dass es sich dabei um den mit 164 Euro zweitteuersten Baum handelte, überraschte dann doch etwas. Generell sollten Sie nicht damit rechnen, für mehr Geld mehr Natürlichkeit zu bekommen. Das zeigt der Preis-Leistungs-Sieger von Deco King, der nur 40 Euro kostet und auf Platz drei landete. Lediglich der mit 229 Euro sehr teure Testsieger von Hallerts setzt sich mit der besten Optik und Verarbeitung klar im Testfeld ab.

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