3 von 4 Bäumen belastet

Giftige Nadeln: Pestizide in Weihnachtsbäumen

In einem Test untersuchte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. mehrere Weihnachtsbäume auf Pestizide. 76 Prozent der Bäume waren belastet.

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Pestizide Weihnachtsbaum

BUND testet Weihnachtsbäume und findet zu viele Pestizide.

Spätestens jetzt beginnen weihnachtsbegeisterte Haushalte sich nach einem geeignetem Nadelbaum umzusehen. Es gibt viele Möglichkeiten einen festlichen Weihnachtsbaum zu kaufen: im Baumarkt, Gartenfachhandel oder auch Straßenverkauf. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. nutzte die Hochsaison der Weihnachtsbaumverkäufe dazu, die Tannen auf Pestizide zu untersuchen. 17 Tannenbäume unterschiedlicher Verkäufer aus ganz Deutschland ließ man in einem unabhängigem Labor auf Rückstände testen. Erschreckend: 13 der anaylsierten Bäume waren belastet.

76 Prozent der Weihnachtsbäume mit Pestiziden belastet

Insgesamt untersuchte man die Bäume auf Rückstände von knapp 140 Pestiziden. Letztendlich fand das Team neun Pestizide, davon zählen fünf zu den gefährlichsten, die man in der EU einsetzt. Am häufigsten kam das Insektizid Lambda-Cyhalothrin vor. Dieses gilt als schädlichstes Pestizid, das zurzeit in der EU zugelassen ist. Es ist nach Angaben des BUND akut toxisch, schadet dem Hormonsystem und Nervenzellen, reichert sich in Organismen an und ist vor allem für Wasserlebewesen und Bienen gefährlich. Aufsehen erregte im Test zudem der Fund von Parathion-Ethyl, auch E 605 oder Schwiegermuttergift genannt, das aufgrund seiner hohen Giftigkeit schon seit 15 Jahren in der EU nicht mehr zugelassen ist. Das umstrittene Glyphosat fand man in zwei Weihnachtsbäumen.

Mehrfachbelastung durch Pestizidcocktail

Über die Hälfte der getesteten Bäume waren mit mindestens zwei Pestiziden belastet. Die Weihnachtsbäume sind, laut BUND-Pestizidexpertin Corinna Hölzel, „einem regelrechten Pestizidcocktail ausgesetzt“, da man in Weihnachtsbaumplantagen häufig viele verschiedene Insektizide, Herbizide und Fungizide verwendet. Die Gifte stellen eine große Gefahr für die Umwelt dar, da sie in Böden und Gewässer gelangen, Insekten töten und Lebensräume sowie Nahrungsquellen verschiedener Nützlinge zerstören. Neben der Gefahr für die Umwelt, sollte man die möglichen gesundheitlichen Auswirkungen auf den Menschen nicht unterschätzen. Man könne nicht ausschließen, dass die Gifte in geschlossenen Räumen in die Raumluft gelangen.
Pestizide in Weihnachtsbäumen Test

Die Analyse der Weihnachtsbäume zeigt, dass ein Großteil der Bäume Pestiziden ausgesetzt wurde.

Bäume stammen überwiegend aus Deutschland

Für den Test erwarb der BUND stichprobenartig mehrere Weihnachtsbäume in Bäumärkten, Gartencentern und im Straßenverkauf aus 15 Orten im gesamten Bundesgebiet. Die Bäume kommen zum großen Teil von deutschen Plantagen. Mit den Handelsketten, in denen die Bäume gekauft wurden, scheint die Belastung nichts zu tun zu haben. Während ein Weihnachtsbaum aus einer Obi-Filiale in Berlin belastet ist, weist ein anderer Baum aus einer Obi-Filiale in Abensberg überhaupt keine Pestizid-Rückstände auf. Da die Filialen sich in verschiedenen Orten befinden, haben sie auch unterschiedliche Zulieferer, die zudem unterschiedlich viele Pestizide beim Anbau verwenden. Einige der Märkte sind nach Veröffentlichung der Testergebnisse bereits in Kontakt mit ihren Lieferanten getreten. Wer beim Weihnachtsbaumkauf auf Nummer Sicher gehen möchte, sollte zu zertifizierten Bio-Weihnachtsbäumen oder zu Bäumen aus FSC-zertifizierten Wäldern greifen, denn die sind garantiert schadstofffrei.
Sabine Stanek

von

Mein grüner Daumen ist nicht angeboren, doch zum Glück gibt es smarte Pflanzen-Gadgets! Über die berichte ich auf eGarden – für alle, denen es so geht wie mir.