Das Ende der Kastanie?

Darum stirbt die deutsche Rosskastanie aus

Viele haben eine besondere Beziehung zur Rosskastanie. Beliebt bei Kindern und als Allee- und Park-Baum. Doch der Kastanie droht die Ausrottung.

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Die deutsche Rosskastanie stirbt aus

Wird die Rosskastanie bald nur noch in Schulbüchern zu finden sein?

Unlängst berichteten wir darüber, wie man aus Kastanien ein biologisches Waschmittel machen kann. Und fast jeder kann sich daran erinnern, wie er als Kind fein gemaserte, glatte Früchte aus der stacheligen Schale gepult hat, um mit Kastanien zu basteln oder die Früchte einfach nur zu sammeln. Die Kastanie ist ein Multitalent. Doch die Freude könnte schon bald der Vergangenheit angehören. Schuld am Massensterben sind zwei Schädlinge. Die Miniermotte wurde erstmals 1984 in Mazedonien an Kastanien entdeckt und breitete sich seitdem in ganz Europa aus. Sie frisst sich durch die Blätter des Baums. Der andere, weitaus gefährlichere Schädling, ist das Bakterium Pseudomonas. Es befällt die Rinde der Rosskastanie und lässt sie abfaulen. Die offenen Stellen werden dann von Pilzen befallen, was in den meisten Fällen das Ende des Baums bedeutet. Auch dieser Schädling bedroht die Pflanze mittlerweile auf dem gesamten Kontinent. In vielen deutschen Städten ist die Lage so verzweifelt, dass die Verantwortlichen auf das Anpflanzen neuer Rosskastanien verzichten.
Die deutsche Rosskastanie stirbt aus

Die Miniermotte greift die Blätter der Rosskastanie an. Im schlimmsten Fall fallen sämtliche Blätter vorzeitig ab.

An deutschen Straßen eine Seltenheit

An den Straßenrändern in Deutschland ist die Rosskastanie ein seltener Anblick geworden. Biologen stehen der Epidemie durch das Bakterium machtlos gegenüber. Bisher gibt es keinen Schutz gegen Pseudomonas. Daher werden Rosskastanien auch in Parks immer seltener. Städte und Länder wollen die Kosten gering halten, also pflanzen sie andere Bäume. Die Entwicklung eines potenten Pflanzenschutzmittels zum Schutz der Rosskastanie ist zu teuer. Und selbst wenn ein Mittel zur Bekämpfung des Pseudomonas gefunden werden würde, wie sollte man die befallenen Rosskastanien behandeln? Ein Versprühen des Mittels in einer belebten Stadt? Fraglich.
Die deutsche Rosskastanie stirbt aus

Das Bakterium Pseudomonas macht die Rinde rissig. In den Spalten breiten sich Pilze aus und lassen den Baum absterben.

Die Baumlandschaft wird sich verändern

Bäume sind nicht nur Zierde. Durch die globale Erwärmung wird es gerade in Städten immer wärmer. Bäume liefern eine natürliche Abkühlung und halten so die Temperaturen niedrig. In den letzten Jahren haben sich aber Linde, Ahorn und Eiche durchgesetzt. Die Rosskastanie ist eine Ausnahme und wird in Zukunft durch den Befall noch weniger gepflanzt. Die Kastanie kommt in der Natur nur vereinzelt vor. Sie galt hier in Deutschland schon immer als Straßen- und Biergarten-Baum, weshalb auf eine Aufforstung stets verzichtet wurde. Experten schätzen, dass ein Großteil des deutschen Bestands in den nächsten fünf Jahren vernichtet sein wird. Eine tragische Entwicklung. Man stelle sich vor, dass die heutige Generation von Kindern die letzte sein wird, die lustige Kastanienmännchen bastelt.

Galerie: Mit Kastanien basteln

Übrigens: Die Rosskastanie wäre nicht der erste Baum, dem ein Massensterben droht. Seit 1920 steht die Ulme ebenfalls vor dem Aussterben. Durch den Borkenkäfer und den Schlauchpilz Ophiostoma sind Ulmen in vielen Regionen unter 700 Metern nahezu ausgerottet. Auch für diesen Befall gibt es bisher keinen wirksamen Schutz. Biologen kontrollieren jährlich die noch vorhandenen Bestände und fällen befallene Bäume, um eine weitere Ausbreitung der Krankheiten zu verhindern.
Alexander Scherb

von

Mit Schrebergarten aufgewachsen, wurde mir die Natur in die Wiege gelegt. Von Ahorn bis Zypressen gilt mein Interesse allem was blüht.

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