Eine der bestens verkauften Wetterstationen

Die Netatmo-Wetterstation im ausführlichen Test

Wetterstationen gehören im Gartenbereich zu unverzichtbaren Instrumenten. Wir haben uns die Wetterstation Netatmo vorgeknöpft und getestet. Was kann sie, wie gut ist sie?

Datum:
Die Netatmo Wetterstation mitsamt Aussenmodul, Regen- und Windmesser

Die Netatmo-Wetterstation mitsamt Außenmodul, Regen- und Windmesser.

Einschätzung
der Redaktion

Fazit: Das müssen Sie wissen

Sie erhalten mit der Netatmo-Wetterstation zwar keine der günstigsten Wetterstationen. Die Station zeichnet sich dafür durch die große Breite an abgefragten Messwerten, den variablen Abruf über die Smartphones inklusive Windows-Phones, die Möglichkeit, Dritte zu berechtigen, die Ablage von historischen Zeitreihen und Exportierbarkeit der Daten, ebenso über die Möglichkeit, die Daten online abzurufen und den Zugriff auf eine lokale Wetterkarte, die von anderen Netatmo-Wetterstationen gespeist wird, und eine Anbindung an „Smart Home“-Systeme aus. Hinzu kommt die Möglichkeit, sich per Mail oder auf anderen Wegen alarmieren zu lassen. Der Nachteil ist die etwas umständliche Einrichtung zum Start und das überaus magere Handbüchlein. Das aber durch die Online-Hilfen kompensiert wird. Die mangelhafte Halterung ist verschmerzbar, da es genügend Alternativen dazu gibt. Die Qualität der Messwerte ist für den privaten Gebrauch absolut ausreichend, höhere Ansprüche an semiprofessionelle bis hin zu professionellen Messungen will und kann dieses Produkt nicht erfüllen. Das Design ist modern und kommt in einer weitaus schickeren Hülle denn die altertümlichen Messgeräte aus Omas Zeiten daher. Die Komfortfunktionen wie die Messung der Raumluftqualität und des Geräuschpegels stellen ein zusätzliches Plus dar.

Pro

  • Anmutendes Design
  • Vielzahl an Messwerten
  • Smartphone-App für iOS, Android und Windows
  • Berechtigungsmöglichkeit für den Zugriff auf die Daten für Dritte
  • Lokale Wetterkarten von allen Netatmo-Besitzern gespeist
  • Historischer Abruf sämtlicher Messwerte
  • Exportierbarkeit der Daten
  • Anschlussfähigkeit an Smart-Home-Systeme
  • Komfortfunktionen über Messung der Luftqualität und des Geräuschpegels
  • Windmesser verzichtet auf bewegliche Teile
  • Erweiterbarkeit um bis zu sechs Module
  • Abruf anderer Netatmo-Wetterstationen möglich

Kontra

  • Magere Bedienungsanleitung
  • Problem bei Initialisierung per Smartphone-App
  • Umständliches Aufschrauben beim Setup
  • Halterung wird nicht empfohlen
Wetterstationen gibt es für kleinstes Geld für Kleingärtner bis hin zu semi-professionellen Lösungen im landwirtschaftlichen Bereich. Der französische Hersteller Netatmo hat sich mit seiner gleichnamigen Wetterstation zu einem der Marktführer in Deutschland gemausert. Obwohl die Wetterstation mit allen Modulen zusammen um die 340 Euro kostet. Zudem verfolgt Netatmo keinen gewöhnlich zu nennenden Ansatz. Keines der Module zeigt Wetterdaten direkt am Gerät an, was zu 99 % auf allen üblichen Wetterstationen der Fall ist. Sämtliche Wetterdaten werden stattdessen online abgelegt und sind entsprechend auch nur online oder über eine kostenlose Smartphone-App einzusehen (die für iOS-, Android- und sogar Windows-Phones verfügbar ist). Das alleine ist schon sehr ungewöhnlich! Dennoch kommt dieser moderne Wetterfrosch extrem gut an. Wie kann das sein und was macht die Wetterstation aus?

Die Funktionen der Wetterstation und ihre Installation

Hierzu haben wir Ihnen eine ausführliche Bildergalerie mit allen wesentlichen Funktionen und Einrichtungsfragen zusammengestellt. Bevor wir weitermachen, sollten Sie sich diese Galerie unbedingt anschauen, denn sie zeigt Ihnen im Detail auf, was die Wetterstation kann, wie die Geräte aussehen, welche Armada an Funktionen die Wetterstation bietet, wie die Online-Daten abrufbar sind, wo die Smartphone-App zu bekommen ist, welche Haken und Ösen auffallen.

Galerie: Wetterfrosch 2.0: Die Netatmo-Wetterstation im Test

Haken und Ösen?

Bei der Einrichtung sind uns mehrere Punkte aufgefallen. Zum einen muss man jedes der Module – den Regen- und Windsensor, aber auch das Außenmodul – aufschrauben. Um die Batterien zu entnehmen und wieder einzusetzen. Nur um das Modul wieder zu verschließen, damit es erst dann mit der Basisstation verbunden werden kann. Wir empfinden diesen Weg als unnötig. Das müsste besser gelöst werden! Kleiner Trost am Rande: Es muss nur bei der Inbetriebnahme erledigt werden und sobald die Batterien ausgetauscht werden müssen.
Gefummel beim Einrichten der Netatmo-Wettermodule

Unnötiges Gefummel beim Einrichten der Netatmo-Module.

Die Basisstation ist das Innenmodul (misst fünf Werte: Innentemperatur, Luftfeuchtigkeit und -druck, Lautstärke und CO2-Gehalt). Das nur mittels Stromanschluss betrieben werden kann, da es über kein Batteriefach verfügt. Eine völlig freie Platzierung ist damit nicht drin.
Bei der Ersteinrichtung scheiterte der Versuch, das Innenmodul mittels Smartphone-App einzurichten. Ohne Innenmodul sind aber keine Messungen ins Netz übertragbar. Ohne Innenmodul ist ebenso wenig eine Anbindung der Module möglich. Wir probierten aktuelle Smartphone-Modelle aus, aber keine Chance (Android und iOS)! Letztlich gelang es uns, über eine separat verfügbare Installationssoftware – die wir in Ermangelung einer ausführlichen Anleitung nur rein zufällig auf der Netatmo-Webseite fanden – die Basisstation mittels USB-Kabelverbindung zum PC (und Mac auch) im Handumdrehen erfolgreich in Betrieb zu nehmen.
Sie können sich übrigens vorstellen, wie viel „Spaß“ das gemacht hat, die Module immer wieder aufzuschrauben und vergeblich via Smartphone zu verbinden. Bei jedem erneuten Verbindungsversuch muss das Modul aufgeschraubt und wieder verschlossen werden. Auf und zu, Batterien raus, Batterien rein, auf und zu, Batterien rein, Batterien raus, auf und wieder zu! Und wir hatten nicht nur ein Modul, sondern gleich drei, die mit der Basisstation zu verbinden waren. Das Außenmodul, das Regenmodul und das Windmodul. Super, nicht! Letztlich hatte es wie gesagt über die PC-basierte Lösung reibungslos funktioniert. Wir waren aber nahe dran, den Test abzubrechen.
Die Anleitung selbst kann man kaum als solche bezeichnen. Magere Blättchen, auf die man auch verzichten könnte. Der Käufer wird gezwungen, sich online auf den Hilfeseiten umzuschauen, die immerhin ordentlich detailliert sind.
Das Handbuch der Netatmo Wetterstation

Das ist das ganze Handbuch! Da könnte man auch Ikea-Anleitungen als Buch bezeichnen.

Die besagten Module konnten wir ebenso wenig im ersten Anlauf mittels der Smartphone-App mit der Basisstation verbinden. Hier half uns eine weitere Software für den PC / Mac, um die Module einzurichten, die sich „Modulmanager“ nennt. In der Bildergalerie finden sie einen Tipp dazu, wo die Software auf der Netatmo-Seite zu finden ist.
Ein weiteres Manko ist die fehlende Halterungsvorrichtung für das Außenmodul. Es existiert schlichtweg keine! Für den Regen- und Windmesser wird zwar eine angeboten, die man für rund 25 Euro auf Amazon erstehen kann, aber aufgrund der sehr negativen Kundenrezensionen davon beruhigt absehen kann. Selbst ist die Frau und der Mann! Völlig unverständlich, wie man eine Wetterstation ohne vernünftige Halterungen anbieten kann.
Genug gemeckert! Das waren die Intialschwierigkeiten. Nachdem wir das einmal hinter uns gelassen, den Windmesser und Regensensor mit selbst gebastelten Stöckchen auf Zaunpfählen aufgespießt, dem Außensensor (der die Außentemperatur und die Luftfeuchtigkeit misst) an der Nordseite des Häuschens eine neue, schattige Heimat verschafft hatten, lief es reibungslos und wie man so schön sagt „stets zu unserer vollsten Zufriedenheit“.
Windmesser auf Spieß - Netatmo Wetterstation

Wer spießt schon seine Wettergeräte auf?

Was kann die Netatmo-Wetterstation?

Die technischen Daten einmal ordentlich heruntergebetet, das gehört sich so. Sonst wissen wir nicht, was die Module letztlich können.
Innen- und Außenmodul (laut Hersteller)
  • Detaillierte Wettervorhersage für 7 Tage (auf Basis von Daten via WeatherPro)
  • Lichtanzeige für sofortige CO2-Messung
  • Innentemperaturen: Messbereich von 0 °C bis 50 °C
  • Messtoleranz: +/-0,3 °C
  • Außentemperaturen: Messbereich von -40 °C bis 65 °C
  • Messbereich von : +/- 0.3 °C
  • Luftfeuchtigkeit: Messbereich von 0 bis 100 %
  • Messtoleranz: +/- 3 %
  • Luftdruck: Messbereich von 260 bis 1160 mbar
  • Messtoleranz: +/- 1 mbar
  • CO2-Messgerät: Messbereich von 0 bis 5000 ppm
  • Messtoleranz: 50 ppm oder +/-5 %
  • Sonometer: Messbereich von 35 dB bis 120 dB
  • Aufzeichnungshäufigkeit: alle 5 Minuten
  • Innenmodul über USB-Netzadapter betrieben
  • Drei zusätzliche Innenmodule anschließbar (etwa für drei weitere Räume)
  • Außenmodul mit 2 AAA-Batterien betrieben (bis zu 1 Jahr Autonomie).
Der Regensensor (laut Hersteller)
  • Niederschlagskippwaage
  • Messbereich von 0,2 mm/h bis 150 mm/h
  • Messtoleranz: +/- 1 mm/h
  • Mit 2 AAA-Batterien betrieben (bis zu 1 Jahr Autonomie)
  • Ein weiterer Regensensor möglich.
Der Windmesser (laut Hersteller)
  • 4 Ultraschallwandler
  • Windgeschwindigkeit: Messbereich: 0 bis 45 m/s (160 km/h)
  • Genauigkeit: +/- 0,5 m/s (1,8 km/h)
  • Erfassung der Windrichtung
  • Genauigkeit: +/- 5°
  • Einheiten: m/s, km/h, mph, Knoten, Beaufort
  • Mit 4 AA-Batterien betrieben
  • Ein weiterer Windmesser möglich.
Das Innenmodul misst demnach die Innenraumtemperatur, die Luftfeuchtigkeit, den Luftdruck, den CO2-Gehalt und den Innengeräuschpegel. Zugleich stellt es die Verbindungen zu den anderen Messmodulen her, um die Daten einzusammeln und ins Netz zu übertragen.
Richten wir unser Augenmerk auf zwei Komforfunktionen. Die Messung der Luftqualität über den CO2-Gehalt trägt zum Wohlgefühl über eine Raumklimakontrolle bei. Ab einem CO2-Gehalt von rund 1.000 ppm sinkt das allgemeine Wohlbefinden. Es ist nicht notwendig, sich die genauen Zahlenwerte zu merken. Sie können direkt am Innenmodul eine spontane Messung vornehmen, indem Sie einen Knopf am Gerät drücken, woraufhin eine eingebaute LED-Leuchte in drei Farben die gemessene Qualität signalisiert (grün = alles ok, gelb = Zeit zum Lüften, rot = höchste Zeit zum Lüften, da sonst Kopfschmerzen drohen). Natürlich können Sie in der Smartphone-App den aktuellen Wert einsehen, ohne manuelle Messungen vorzunehmen. Übrigens, die Messung erfolgt über einen Infrarot-Lichtsensor, der die Lichtmenge misst, die absorbiert wird. Je mehr absorbiert wird, umso höher ist der CO2-Gehalt.
Zusätzlich wird der mittlere Geräuschpegelwert ermittelt, damit Sie sich informieren lassen können, ob die Lärmbelastung unnötig hoch wird. Lärmbelastungen gelten als dauerhafte Stressfaktoren. Unser Ohr ist natürlich nicht auf die genaue Messung ausgelegt, um eine objektive Beurteilung abgeben zu können, ebenso wenig ist unser Erinnerungsvermögen auf die Interpretation vergangener Lautstärken ausgelegt. Wir können nur subjektiv empfinden, was uns aktuell zu laut oder zu leise erscheint. Der Vorteil liegt daher in der Messung über einen längeren Zeitraum. Ab dem längeren Überschreiten von Werten um die 65 db wissen wir, dass ab diesem Wert die Konzentrationsfähigkeit dauerhaft nachlassen würde. Insofern ist die Messung der Lautstärke keine Spielerei oder ein Mittel, um in Abwesenheit zu kontrollieren, ob unsere Kinder die Nachbarn stören könnten.
Der Regensensor misst die Regenmenge, indem über eine Wippe im Innengehäuse Wasser fließt. Ein Magnetsensor ermittelt dann aus der Anzahl der Wippenanschläge die Regenmenge. Zusätzlich wird die erwartete Regenrestmenge auf Basis von öffentlichen Wetterdaten ermittelt. Praktisch für den Einsatz im Garten.
Der Windmesser misst nicht nur die Windgeschwindigkeit, sondern auch die Windrichtung. Die Messung erfolgt über Ultraschallsensoren, die stetig die Veränderung der Ultraschalllaufzeiten berechnen, um Winkel und Winddruck zu ermitteln. Damit die korrekte Windrichtung angezeigt werden kann, muss der Windmesser nach Norden ausgerichtet werden (aus diesem Grunde wurde eine Pfeilmarkierung am oberen Gehäuserand angebracht). Zusätzlich werden die maximalen Böen-Geschwindigkeiten im Tagesverlauf und im 10-Minutentakt erfasst.

Konnektivität

Alle Module werden mittels Funkverbindung zur Basisstation (dem besagten Innenmodul) gekoppelt und übermitteln ihre Messdaten zunächst an diese Station. Die Reichweite beträgt hierbei theoretisch maximal 100 m. Die sich je nach Funkwiderständen wie Hauswänden zwischen Innenmodul und Außenmodulen reduziert. Die Basisstation wird mit dem WLAN-Router verbunden und überträgt anschließend sämtliche Messdaten auf die Netatmo-Server, wo sie der Käufer online einsehen oder mittels der kostenlosen Smartphone-App von Netatmo (iOS, Android, Windows) abrufen kann. Die Messungen erfolgen in der Regel im 5-Minutentakt. Der Abruf der Daten ist nur über ein Login nach vorheriger Registrierung möglich!
Online-Abruf der Netatmo-Wetterstationsdaten

So sieht der Online-Abruf der eigenen Netatmo-Wetterstationsdaten aus. Linkerhand die aktuellen Werte, mittig die historischen Werteverläufe (Tag, Woche, Monat, Jahr) und rechterhand die Funkqualität sowie die Batterieladung der Module.

Abruf der Wetterdaten über die Smartphone-App

Neben dem Abruf der Online-Daten über die Netatmo-Webseite sind die Messdaten zusätzlich über die Smartphone-App von Netatmo abrufbar. Es gibt zwei Ansichtsmodi hierbei: Einmal im Hochformat zur gesammelten Anzeige der Wetterdaten und einmal im Querformat, wobei die Art der Darstellung wechselt, indem ein auswählbarer Messwert als Kurvenverlauf angezeigt wird (etwa der Verlauf der Innentemperatur oder der Verlauf der Windgeschwindigkeiten). Mittels simplen Fingergesten wird in der Queransicht der anzuzeigende Zeitraum verändert.

Die Wetterdaten dürfen auch andere Personen abrufen. Hierzu bieten sich zwei unterschiedliche Möglichkeiten an. Die Wetterdaten werden auf Wunsch auf einer Wetterkarte allen zur Verfügung gestellt. Die ohne Registrierung abrufbar sind. Wer seine Wettermessdaten nicht zur Verfügung stellen will, kann in den Einstellungen die öffentliche Freigabe verweigern. Die Daten des Innenmoduls (Innentemperatur, Geräuschpegel, etc.) werden übrigens nicht öffentlich zur Verfügung gestellt.
Wetterkarte von Netatmo

Die Wetterkarte zeigt alle Außenwerte wie Regenmenge, Windgeschwindigkeiten und Außentemperaturen an. Wo kommen die Daten her? Von allen Nutzern einer Netatmo-Wetterstation. Dies wird über die Punkte auf der Karte symbolisiert. Ein Klick auf einen der Punkte öffnet rechterhand die Einzelmesswerte. Je nachdem, welche Module der jeweilige Netatmo-Käufer benutzt, werden mal mehr, mal weniger Werte angezeigt (vom Außenmodul, Regenmodul und Windmodul).

Die andere Möglichkeit besteht darin, ausgewählte Personen über die Netatmo-Einstellungen namentlich per E-Mail-Adresse einzuladen und damit den Zugriff auf alle Daten zu gewähren. Dazu gehören dann Messwerte wie die Innentemperatur, der Geräuschpegel und der CO2-Gehalt. Die berechtigte Person muss sich hierzu genauso wie der Käufer der Netatmo-Station zunächst einmal online registrieren, um auf seiner eigenen, personenbezogenen Netatmo-Seite die Werte einzusehen. Dort könnten dann auch weitere Netatmo-Stationen angezeigt werden, wenn die Person von weiteren Netatmo-Nutzern dazu berechtigt wurde. Es ist genau aus diesem Grunde überaus praktisch, dass Netatmo die individuelle Benamung der einzelnen Module über die Einstellungen erlaubt. So können Sie der Netatmo-Station zu Hause die Namen „Home Innen, Home Außen, Home Wind, Home Regen" vergeben. Während Sie der Netatmo-Station im Büro die Namen „Office Innen, Office Außen, Office Wind, Office Regen“ zuordnen. Auf diese Weise können Sie beliebig zwischen der Darstellung unterschiedlicher Wetterstationen wechseln.

Datenschutz: Darf man das Wohnzimmer belauschen?

Halten wir zunächst einmal fest: Die Daten werden online zur Firma Netatmo übertragen. Anbei nun ein Bild, das für sich spricht:
Netatmo misst die Lautstärke

Der Vergleich der Lautstärke der Fans während des Fußballspiels Deutschland - Brasilien zur WM 2014.

Ein gefundenes Fressen für diejenigen, die sich Sorgen um den Schutz ihrer Privatsphäre machen. Wir sehen beispielhaft im Rahmen einer besonderen Werbeaktion von Netatmo anlässlich zur WM 2014 die durchschnittlichen Lärmpegel der Fans aus Brasilien und Deutschland. Angesichts des Spielverlaufs ist der deutliche Unterschied zu verstehen. Bei einem Endstand von 7:1 kein Wunder. Die deutschen Fans waren weitaus lauter.
Doch woher kamen die Daten? Direkt aus den Wohnzimmern Deutschlands und Brasiliens, die zur Zeit der Spielübertragung vor den Fernsehern saßen. Alle Kunden einer Netatmo-Wetterstation haben die Lärmpegel wie üblich über das im Innenmodul eingebaute Sonometer auf die Netatmo-Server hochgejagt. Netatmo hat dann nichts anderes getan, als die Geräuschpegel auszuwerten.
Natürlich wurden keine Gespräche aufgezeichnet, da dies absolut illegal wäre. Zudem gibt das Sonometer keine Aufzeichnungsmöglichkeiten von Gesprächen her! Lediglich die Zahlenwerte in Dezibel gemessen wurden übertragen. Ist das nun ein Lauschangriff oder eine Funktion unter Komfortaspekten wie oben geschildert? Ermöglichen alle Käufer einer Netatmo-Wetterstation dem Hersteller die Möglichkeit, das Fernsehverhalten auszuwerten und damit bares Geld von der Werbeindustrie zu vereinnahmen?
Ist es in Ordnung, dass Ihr Mitbewohner die Innentemperatur, Luftfeuchtigkeit, den CO2-Gehalt und den Lärmpegel auch Punkt 02:00 Uhr morgens unterwegs abrufen kann, um anschließend die Frage zu stellen: „Schatz, es war heiß, feucht, stickig und laut. Magst du mir das erklären, was da passiert war?“ Übrigens, rein physikalisch ist eine Ableitung der Messwerte auf die Präsenz eines heimlichen Liebhabers gewagt. Zwei Personen im Raum ergeben eben nicht 60 Grad. Man müsste sich dazu schon gut auskennen, um abschätzen zu können, wie schnell bestimmte Messwerte mit zwei Personen im Raum nach oben gehen gegenüber einer Person im Raum. Eine interessante, aber theoretische Spielerei für Misstrauische.
Ist es in Ordnung, dass die deutsche Netatmo-Webseite nur auf Englisch verfasste AGB bietet, in der sich zudem der Hersteller eine sehr weitreichende Lizenz zur Datenverwendung genehmigt, auch die Weitergabe an Drittpartner? Netatmo schließt von alledem, was wir bereits erwähnt haben, nichts aus. Es wäre absolut wünschenswert, wenn die Firma hier für mehr Klarheit sorgen würde und Transparenz walten ließe. Denn es soll nicht unerwähnt bleiben, dass Netatmo mit einer Überwachungskamera inklusive Gesichtserkennung auch Sicherheitsprodukte in petto hat.
Ist es überhaupt in Ordnung, dass die Messdaten online ins Netz auf die Netatmo-Server verschickt werden, ob nun die Außendaten oder die Innendaten? Wenn Sie diese Frage mit einem klaren „Nein“ beantworten, sollten Sie die Netatmo-Wetterstation nicht nutzen.
Letztlich bleiben alle diese Fragen in einer zunehmend vernetzten Welt jedem selbst überlassen. Ob wir nun Facebook nutzen, ein Smartphone alles über uns weiß oder Haushaltsgerätschaften zunehmend online angebunden werden: Netatmo diese Gesamtproblematik aufzubürden, erscheint uns im Rahmen dieses Produkttests als zu einseitig. Der französische Hersteller ist lediglich ein winziger Teil einer Welt, die sich immer schneller vernetzt und dreht. Insgesamt sprechen wir von einer Wetterstation mit einem Sonometer-Sensor, wo man sich ruhig die Frage stellen kann, ob das nun tatsächlich höchst private Daten sind? Abgesehen von der Lautstärkemessung dürften die meisten unter uns diese Frage eher schulterzuckend beantworten.

Qualität der Messwerte

Über dieses Thema könnten wir uns nun stundenlang auslassen. Lassen Sie es uns so sagen: Die Platzierung von Wetterstationen und deren Messsensoren ist eine Raketenwissenschaft für sich. Das liest sich dann in der Kurzform wie folgt: „Um den internationalen Normen für die Aufstellung von meteorologischen Messstationen zu entsprechen, muss der Standort über ein relativ hindernisfreies, 300-400 qm großes Grundstück verfügen. Für die Messung der Bodentemperatur sind 30 qm Rasenfläche notwendig. Zu Hauswänden und befestigten Flächen ist ein Abstand von 10 Metern einzuhalten. Windrichtung/Windgeschwindigkeit und Sonnenscheindauer werden etwa 10 Meter über Boden an einem freistehenden Mast oder – bei Anbringung auf Gebäuden – 5 Meter oberhalb des Dachgiebels gemessen.“ (Meteogroup) Jeder normale Privathaushalt wird das so niemals in der Praxis umsetzen können. Verabschieden wir uns daher vom wissenschaftlichen und semiprofessionellen Anspruch, dass die Messwerte ultimativ und objektiv überprüfbar wären.
Dennoch fordern Privatkunden immer wieder höchste Präzision bei der Messung, so auch bei der Netatmo-Wetterstation. Obgleich die Grundlagen bei der Platzierung der Geräte so nicht einzuhalten sind. Folgen Sie daher lieber Ihrem gesunden Menschenverstand, wenn Sie nach geeigneten Stellen für die Module suchen. Soweit wir es feststellen konnten, liefen die Messwerte im Vergleich zu den Werten anderer Geräte nie besonders auffallend auseinander.
Platzieren Sie das Innenmodul nicht am Fenster und auch nicht in der Sonne. Das Außenmodul (das die Außentemperatur und die Luftfeuchtigkeit misst) sollte idealerweise möglichst frei im Schatten stehen, belüftet (keine Ablage in einer Vase oder dergleichen) und nicht zu nah an der Hauswand aufgestellt sein (sonst misst es die Abstrahlwärme der Wand). Der Windmesser sollte so hoch wie nur möglich angebracht sein, idealerweise ohne direkt umliegende Objekte, die störende Windeffekte erzeugen. Heißt? So weit weg wie nur möglich von Hauswänden oder Bäumen. Der Regensensor ist dahingegen relativ einfach zu platzieren. Sorgen Sie lediglich für ein gerades Plätzchen, wo das aufgefangene Regenwasser wieder abfließen kann. Ergo? Verbuddeln Sie es nicht in der Gartenerde.

Datenabfrage und Exportmöglichkeiten

Alle Messwerte werden nicht nur online gespeichert, sondern sie sind historisch abrufbar und sogar auch exportierbar. Letzteres ist ideal für all diejenigen, die Messwerte gerne statistisch aufbereiten möchten, um beispielsweise historische Zeitreihenvergleiche analysieren zu können.
Datenimport für Excel - Netatmo Wetterstation

Die Daten können online auf Ihrer persönlichen Netatmo-Seite im .csv- oder im .xls-Format heruntergeladen werden. Sie geben hierzu den Zeitraum und das Modul an, dessen Daten ausgewertet werden sollen. Anschließend können Sie mit einem Programm wie Excel die Datenreihen importieren, beliebig aufbereiten und Charts daraus erstellen.

Tatsächlich ist diese Funktion nicht zu unterschätzen, denn die üblichen Wetterstationen bieten, wenn überhaupt, den Export von Zeitreihen nur über einen eingeschränkten Zeitraum an.

Kopplungsmöglichkeiten mit Smart-Home-Systemen und Einrichten von Alarmmeldungen per Mail

Der technische Fortschritt macht auch vor Wetterstationen nicht halt. Zunehmend werden neue Geräte auf dem Markt erscheinen, deren Messwerte nicht nur über das Internet abrufbar, sondern zusätzlich mit dem Haussystem koppelbar sind. Das bedeutet konkret? Schon heute könnten Sie die Netatmo-Wetterstationsdaten mit dem RWE Smart Home (um einen Hersteller exemplarisch zu benennen) verbinden. Sollte die Außentemperatur einen bestimmten Wert überschreiten, könnten Sie die Markisen oder Rollos automatisiert schließen lassen. Oder Sie sagen dem System, dass es bei einem Temperaturabfall im Innenraum (durch das Öffnen eines Fensters) die Heizung im Zimmer abdrehen soll, damit Sie nicht unnötig Heizkosten ausgeben.
Diese grundsätzliche Möglichkeit, die Messwerte auszulesen und daraus bestimmte Aktionen in Gang zu setzen, können Sie auch ganz ohne ein Smart-Home-System ausprobieren. Wir zeigen Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie sich per Mail benachrichtigen lassen können, wenn bestimmte Bedingungen eintreten:

Galerie: Wie verbindet man die Netatmo mit IFTTT?

Kosten

Die Einzelmodule kosten wie folgt:
Robert Basic

von

Seine Passion sind Menschen, sein Antrieb ist die Neugier.

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