Test-Drama: Nur eines schafft die Note „gut“

Babyphones mit Video-Funktion im Test

Sie übertragen Töne und Videos live aus dem Kinderzimmer und sogar Mamas Schlaflied zum Baby. Doch der Vergleichstest zeigt: Viele Babyphones sind anfällig für Störungen und leistungsschwach.

Datum:
Babyphone Garten

Im Test lag die Reichweite der zehn Babyphones zwischen 31 Metern bei einer Wand bis 380 Metern im Freien.

Endlich ist der ersehnte Nachwuchs da – und krempelt mal eben das ganze Leben der jungen Eltern um. Statt Party, Kurzurlaub und Hobby stehen nun Stillen, Füttern und Windelnwechseln auf dem Programm. Selbst in den seltenen Ruhepausen wollen die besorgten Eltern wissen, ob’s dem kleinen Racker gutgeht. Dafür hat die US-Firma Zenith schon 1937 mit der „Radio Nurse“ die Mutter aller Babyphones entwickelt. Übrigens als Reaktion auf die legendäre Entführung des Lindbergh-Babys und schon damals mit Funkübertragung. Knapp 80 Jahre später bieten moderne Babyphones den besorgten Eltern noch viel mehr: Sie senden gestochen scharfe Livebilder aus dem Kinderzimmer und retten damit so manchen spannenden Tatort-Abend. Schließlich müssen Mama oder Papa nicht mehr wegen jedem Mucks zum Baby rennen. So weit die Theorie. In der Praxis nervt die Technik aber mit unerwarteten Tücken: Der Test von zehn Modellen zeigt, dass längst nicht jedes Babyphone als digitaler Babysitter taugt.

Wirklich babyeierleicht?

Das Testfeld deckt ein breites Preisspektrum ab. Das günstigste Modell von Sunluxy kostet 50 Euro, das teuerste Exemplar treibt Papa nach der Geburt ein zweites Mal Tränen in die Augen: Satte 220 Euro verlangt Philips für das Avent SCD630. Erfreulich: Egal, ob günstig oder teuer – zumindest mit der Inbetriebnahme aller Kandidaten haben Eltern keinen Stress, denn Sender und Empfänger sind bereits ab Werk gekoppelt. Auspacken, einschalten, fertig – so weit geht’s tatsächlich babyleicht.

Galerie: Test: Babyphones mit Video-Funktion

Zeig mir mein Baby!

Die Displays der Empfänger mit Bilddiagonalen zwischen 4,8 und 8,7 Zentimeter zeigen zwar recht zackig die ersten Live-Aufnahmen, aber die Bildqualität war höchst unterschiedlich – von matschig bis scharf war im Test alles dabei. In umgekehrter Richtung kann das Baby den Eltern zwar nicht zusehen, aber zumindest zuhören. Mit neun Testkandidaten können Eltern per Gegensprechfunktion das Baby mit einem Wiegenlied in den Schlummer singen.

Bescheidene Reichweite

Einige Babyphones tun sich schwer, überhaupt ein Signal zu empfangen, denn ihre Reichweite ist ziemlich bescheiden. Die Hersteller werben zwar mit Reichweiten von 300 Metern und mehr, aber das schafften die Geräte nur bei der Reichweitenmessung im Freifeld mit Sichtverbindung. In der TESTBILD-Musterwohnung reichten jedenfalls schon drei Wände zwischen Wohn- und Kinderzimmer, um die Verbindung einiger Kandidaten zu kappen.
TESTBILD testet Babyphones

Die Babyphones hat TESTBILD umfangreichen Tests unterzogen – im eigenen Testlabor, in einer Musterwohnung sowie im beauftragten Institut Obering. Berg & Lukowiak (OBL). Insgesamt haben die Tester 1.310 Messungen und Prüfungen vorgenommen, der Test kostete 13.290 Euro.

Internet an, Babyphone tot

Wobei Wände gar nicht das größte Problem für die Babyphones sind. Als Störfaktor Nummer eins entpuppten sich im Test WLAN-Netzwerke. Sitzt Papa mit dem Babyphone in der Stube und will mal kurz im Internet surfen, bricht bei einigen Modellen schlagartig die Verbindung ab.

Strahlungs-Stress fürs Baby?

Natürlich könnte ein stärkeres Signal für eine stabilere Funkverbindung sorgen, aber das würde auch die Strahlenbelastung erhöhen. Für Babys wäre das gefährlich, zumal die Empfangseinheit oft nur einen Meter von ihrem Kopf entfernt steht. TESTBILD hat nachgemessen und kann Entwarnung geben: Alle geprüften Geräte strahlen zwar aufgrund der parallelen Bild- und Tonübertragung etwas stark, blieben aber innerhalb der EU-Grenzwerte. Wer auf Nummer sicher gehen will, greift zu einem Modell mit Eco-Modus und Strahlenreduktion.

Gib mir Saft!

Den nötigen Saft bekommen die Babyphones wahlweise per Steckdose oder Akku. Wenn Mama sich im Garten entspannt, freut sie sich natürlich über eine lange Akkulaufzeit aber die bietet längst nicht jeder Testkandidat: Während einige mit Ach und Krach an der Sechs-Stunden-Marke kratzten, attestierte das Testlabor anderen eine Top-Ausdauer von fünfzehneinhalb Stunden.
TESTBILD

Deutschlands härtestes Testmagazin: TESTBILD ist im Zeitschriftenhandel und unter testbild.de erhältlich.

Friert das Baby?

Nützlich: Ob‘s im Kinderzimmer zu kalt oder zu warm ist, zeigen viele der Prüflinge per Temperaturanzeige an. Gut, wenn Kinder im Spiel sind: Alle Kandidaten sind robust und bestanden die zehn Stürze aus 50 Zentimeter Höhe ohne Blessuren oder Funktionsstörungen.

Fazit

Der Test offenbarte eklatante Schwächen der Babyphones: Verbindungsabbrüche durch WLAN-Netze, geringe Reichweiten in Wohnungen und knappe Akkulaufzeiten. Das Motorola MBP36S bot das beste Gesamtpaket und erreichte als einziges Gerät eine „gute“ Endnote.

Galerie: Lautsprecher für Garten und TV im Test

Babyphones

Kommentare

Die Technik der Kommentarfunktion „DISQUS“ wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.