Stihl Timbersports Champions Trophy 2017

Timbersport in Deutschland: Die schnellsten Holzfäller der Welt

Holzfällen als Sport? Und was für einer! Wer es mal gesehen oder probiert hat, weiß, was die Timbersportler wirklich leisten. Am 20. Mai 2017 kämpfen die besten Athleten in Hamburg um die Stihl Timbersports Champions Trophy.

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Stihl Timbersports

Kleinholz auf der Reeperbahn: Der Kanadier Stirling Hart gab in Hamburg einen Vorgeschmack auf die Stihl Timbersports Champions Trophy 2017.

Dort, wo sonst Kreuzfahrer ihre Reise antreten, kann man bald ungewöhnliche Töne vernehmen. Im Cruise Center Altona in Hamburg verstummen am Abend des 20. Mai die Rollen von Schalenkoffern und man hört schreiende Kettensägen und dumpfe Schläge, wenn rasiermesserscharfe Wettkampfäxte mit unvorstellbarer Präzision und Wucht in Pappelstämme getrieben werden. Die besten Timbersportler der Welt kämpfen um die Stihl Timbersports Champions Trophy 2017. Wer schafft die vier Disziplinen am Stück in der kürzesten Zeit? Einen Eindruck, wie so etwas in Bewegung aussieht, bekommen Sie beim Video der Timbersport-Demonstration von Stirling Hart.

1. Disziplin: Stock Saw

Stock Saw

Zwei Scheiben: In rund zehn Sekunden absolvieren Top-Athleten diese Disziplin.

Bei dieser Disziplin arbeiten die Wettkämpfer mit einer Stihl MS 661 C-M mit 7,3 PS. Die 7,4 kg schwere Säge liegt im Leerlauf am Boden, die Hände des Wettkämpfers sind am 40 cm dicken Pappelholz. Nach dem Startschuss geht es darum, zwei gleichmäßige Scheiben (Cookies) mit einem Abwärts- und anschließendem Aufwärtsschnitt abzuschneiden. Wenn Sie nicht gleich auf Rekordjagd gehen wollen, schauen Sie sich unsere Kettensägen-Kaufberatung an.

2. Disziplin: Underhand Chop

Underhand Chop

Die Bestzeiten im Underhand Chop liegen bei weniger als 15 Sekunden. In den 13 Sekunden im Bild hat Stirling Hart schon zwei Scheiben mit der Kettensäge abgeschnitten.

Beim Underhand Chop, der in der Praxis dem Zerteilen eines gefällten Baumes entspricht, gilt es, einen 32 Zentimeter dicken, horizontal verankerten Holzstamm mit der Axt von beiden Seiten zu durchschlagen. Dabei steht der Sportler auf dem Stamm. Ein nur einseitiges Durchtrennen führt zur Disqualifikation. Die handgeschliffene Axt ist scharf wie eine Rasierklinge. Sie wiegt bis zu 3 kg und kostet etwa 500 Euro.

3. Disziplin: Single Buck

Single Buck

Spitzensportler benötigen um die zehn Sekunden für den Schnitt.

Mit einer Einmannzugsäge von rund zwei Metern Länge sägen die Athleten eine Holzscheibe von einem horizontal befestigten Block mit 46 Zentimetern Durchmesser ab. Bei dieser Disziplin sind Rhythmus und Dynamik des Sportlers entscheidend. Um die Gleitfähigkeit der Säge im Holz zu erhöhen, kann diese mit einem Ölgemisch besprüht werden. Außerdem darf von einem Helfer ein Keil zwischen Cookie und Holzblock getrieben werden. Es sieht einfach aus, aber Ungeübte können die Säge mitunter gar nicht bewegen. Die lasergeschnittene Säge wiegt etwa 5 kg und kostet über 1.500 Euro. Nach ca. 40 Schnitten brauchen Sie nicht mit Ihrem 3-in-1-Schärfgerät ankommen. Die Säge muss zum Schärfen nach Übersee geschickt werden.

4. Disziplin: Standing Block Chop

Standing Block Chop

Top-Athleten benötigen weniger als 13 Sekunden für diese Disziplin.

Beim Standing Block Chop wird das Fällen eines Baumes simuliert. Ein senkrecht in einer Halterung verankerter Holzblock mit einem Durchmesser von 30 Zentimetern muss so schnell wie möglich von beiden Seiten durchschlagen werden. Präzision beim Axtschlag, sowie ein kraftvoller Axtschwung sind entscheidend für den Erfolg. Top-Sportler haben mehr als fünfzig Äxte, die sich im Aufbau und Schliff unterscheiden und auf bestimmte Hölzer zugeschnitten sind – also Äxte im Gegenwert von rund 25.000 Euro.
Stirling Hart Video abspielen

Auf einen Presse-Event hat der kanadische Athlet Stirling Hart einen Vorgeschmack auf die am 20. Mai in Hamburg stattfindende Stihl Timbersports Trophy gegeben. eGarden war dabei.

Sicherheit

Bei so viel scharfen Geräten wird Sicherheit groß geschrieben. Ohne Schutzkleidung wie Schutzbrille, Schnitthose oder Kettensocken darf niemand antreten. Verstöße werden mit Disqualifikation geahndet. In Europa gibt es 500, weltweit um die 2.000 Timbersportler. Darunter gibt es nur sehr wenige Profis, die keinen anderen Job nebenbei haben.

Holzi, Holzi, Holzi

Bei den Wettkämpfen wird vorwiegend Pappelholz verwendet. In der Disziplin Single Buck kommt häufiger Weimutskiefer zum Einsatz. Um faire Ausgangsbedingungen für alle Sportler zu schaffen, stammen die verwendeten Blöcke aus demselben Waldstück. Sie werden geprüft und auf den entsprechenden Durchmesser gebracht. Das Holz wird verschweißt und bei gleichbleibender Temperatur gelagert. So bleibt sein Feuchtegehalt über die gesamte Saison konstant. Die Blöcke werden im Wettkampf zugelost. Bei der Rookie-Weltmeisterschaft und der Champions Trophy in Hamburg kommen an zwei Wettkampftagen rund zwölf Tonnen zum Einsatz. Nach den Wettkämpfen werden die Holzreste gesammelt und zu Pellets, Papier oder Pressspanplatten weiterverarbeitet.
Historisches Holzfällen

Timbersport ist kein neumodischer Kram. Eine Wette zwischen Holzfällern im Jahr 1870 gilt als Ursprung der Sportart. Geregelte Wettkämpfe gibt es seit 1890.

Termine

Die Rookie-Weltmeisterschaft und Champions Trophy 2017 finden am 19. und 20. Mai in Hamburg am Cruise Center Altona statt. Die Weltmeisterschaft wird am 3. und 4. November in Lillehammer/Norwegen ausgetragen.
Übrigens, in der Zeit, die Sie gebraucht haben, um diesen Artikel zu lesen, haben die Athleten die vier Disziplinen locker zweimal absolviert.

Galerie: 10 mal kunstvoll gesägt

Kettensäge

Michael Huch

von

Redakteur und Content Manager, interessiert sich für Technik und mag Dinge, die den Alltag erleichtern. Egal ob unterwegs, im Garten oder der Küche.